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Celle Stadt Respektable Uraufführung im Celler Schlosstheater
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Respektable Uraufführung im Celler Schlosstheater
07:54 18.05.2015
Premiere: Das Evangelium nach Jimmy Jobs Josephine Raschke und Rasmus Max Wirth Quelle: Benjamin Westhoff
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Zugegeben, vielleicht ist der Inhalt der Premiere von Didier van Cauwelaerts Roman „Das Evangelium nach Jimmy“ in der Theaterfassung des Celler Intendanten Andreas Döring nicht jedermanns Sache. Für manchen Theaterbesucher jedenfalls kann es durchaus schwer sein, die anfänglichen Behauptungen des Stücks als Basis für das weitere Handlungsgeschehen zu akzeptieren und nachzuvollziehen. Dennoch, wenn man bereit ist, sich auf die Prämissen des Stücks einzulassen, erlebt man eine interessante und weitgehend vom Wort ausgehende Geschichte, die anregend und ohne größere „Durchhänger“ logisch zu Ende gedacht wird. Sie pendelt zwischen unbewiesener Behauptung und respektloser Was-wäre-wenn-Satire und geht weit über bloße Fragen der Religion hinaus.

Jimmy Wood, im Leben mit der Reparatur von Swimmingpools beschäftigt, voller Liebeskummer und keineswegs religiös, erhält eines Tages die Nachricht, dass er das Ergebnis eines Klonexperiments sei und mit Hilfe von Blutproben aus dem Turiner Grabtuch hergestellt wurde. Ergebnis: Er hat die Gene von Jesus Christus. Jimmy soll der zweite Messias werden. Auf diese Rolle muss er in drei, wissenschaftlich streng getrennten Phasen – von der Annäherung an seine neue Rolle bis hin zum Glauben an sich selbst – vorbereitet werden. Dies verhilft ihm zu einer neuen Identität und somit auch zur wundersamen Donutvermehrung aus dem Automaten, lässt einen vermeintlich Toten wieder auferstehen und macht einen angeblich Blinden wieder sehend. Kein Wunder, dass Jimmy danach an seine Aufgabe glaubt.

In einem schmucklosen Raum aus dunklen Quadern ohne Fenster (Bühnenbild und Kostüme Martin Käser) mit Videobeamer und Videowand werden alle auftauchenden Fragen streng geheim und mit ihren politischen Konsequenzen von Ärzten, Theologen und Wissenschaftlern erörtert.

Der Aufwand für „Das Evangelium nach Jimmy“ scheint hoch. Andreas Döring hat in akribischer Arbeit nicht nur die sprachlich gelungene und geschickt gekürzte Theaterfassung des Romans besorgt; er zeichnet auch für die zahlreichen Videoeinspielungen verantwortlich, die wegen der Sichtverhältnisse auf der engen Bühne für den Zuschauer nicht immer ganz unproblematisch sind, und hat die Regie übernommen. Dabei setzt Döring auf einen zügigen Ablauf der einzelnen Szenen mit kleineren Umbauten auf offener Bühne genauso wie auf ein fast durchgehend hohes Sprechtempo. Das dient sicherlich einer flotten und geschäftlich nüchternen Erzählweise, andererseits hätte ein bisschen mehr nachdenkliche Ruhe sowohl den Dialogen als auch dem Verständnis durch die Zuschauer sicher gut getan.

Die 25 Rollen teilen sich insgesamt sechs Schauspieler. Allen voran ist es Rasmus Max Wirth, der als Jimmy Wood in seinem Wandel vom unbedarften Schwimmbadmechaniker bis hin zum verwirrten und schließlich rebellischen Jesus-Klon restlos überzeugen kann. Als leicht jovialer Buddy wirkt Johann Schibli ebenso authentisch wie Thomas Wenzel als Richter Clayborne. Josephine Raschke gefällt als resolute Pressesprecherin und mehr noch als nicht immer beste Freundin von Jimmy. Tanja Kübler ist eine spröde, aber engagierte Psychologin. Als Projektleiter und als Damiano Cardinale Fabiani hat Dirk Böther starke Momente. Der Beifall am Schluss war freundlich und anerkennend.

Von Hartmut Jakubowsky