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Celle Stadt Rettungsdienste müssen auch in Celle immer mehr können
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Rettungsdienste müssen auch in Celle immer mehr können
12:28 15.06.2018
Von Christian Link
Sind gespannt auf die Ausschreibung des Landkreises: Rettungsdienst-Chefin Ivonne Marquardt-Hinrichs (Mitte) mit Abteilungsleiter Stefan Haukeund Tochter Kimberly Marquardt, die in der Verwaltung des familiengeführten Unternehmens mit Sitz in Bergen tätig ist. Quelle: Christian Link
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Die Firma Marquardt und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sind nur noch bis zum 30. September mit der Notfallversorgung beauftragt. Danach sollen der oder die Ausschreibungsgewinner den Job übernehmen. Doch wenige Monate vor dem Stichtag stehen noch nicht einmal die Kriterien fest, nach denen die Aufgabe überhaupt vergeben wird.

DRK und Marquardt sind trotzdem zuversichtlich, dass sie das Rennen machen werden. Denn beide Dienstleister haben ihre Hausaufgaben gemacht und sich mit einem sogenannten Qualitätsmanagement (QM) zertifizieren lassen – auf eigene Kosten. Das war zwar aufwändig und nicht billig, könnte aber noch ganz wichtig werden. "Wir gehen davon aus, dass sich nur Rettungsdienste bewerben, die sich zertifiziert haben", sagt DRK-Rettungsdienstleiter Uwe Ammoneit. Dadurch sind die Platzhirsche gegen mögliche Konkurrenten schon mal gut gerüstet.

"Wie will man nachweisen, dass man ein guter Rettungsdienst ist? Und dass man auch bei so etwas Schwierigem wie Medizin gleichbleibende Abläufe hat?", fragt Stefan Hauke vom Rettungsdienst Marquardt und liefert die Antwort gleich mit: durch Qualitätsmanagement. Das klingt abstrakt, hat für denjenigen, der nachher beim Rettungsdienst auf der Trage liegt, aber einen ganz praktischen Nutzen: "Dadurch stellen wir sicher, dass alle Patienten Medizin auf demselben Niveau erhalten." Das beinhaltet Ausrüstung, Ausbildung der Mitarbeiter, den Zugang zu Medikamenten und Hygiene.

Blöd nur, dass die Celler Rettungsdienste für die Einhaltung der DIN-Standards erst einmal in Vorkasse gehen müssen und auf den Mehrkosten womöglich sitzen bleiben. Denn die Krankenkassen wollen nur Leistungen bezahlen, die gesetzlich vorgeschrieben sind. Das ist das Qualitätsmanagement im Rettungsdienst aber nicht. "Ein Rettungsdienst ist aus Sicht der Krankenkasse kein medizinischer Betrieb, sondern ein reines Transportunternehmen", erläutert Hauke. Die Realität sehe zwar mittlerweile anders aus, doch die Gesetzgebung sei noch in den 80er Jahren stecken geblieben.

Tatsächlich werden Notfälle in Deutschland als bessere Taxifahrt abgerechnet. Dabei sind die immer noch als "Krankenwagen" bekannten Fahrzeuge heutzutage eher mobile Notfallzentren mit hochmoderner Ausstattung und hochqualifiziertem Personal. "Durch das neue Berufsbild Notfallsanitäter ist eine Änderung des Sozialgesetzbuches mehr als überfällig", sagt Marquardt-Geschäftsführerin Ivonne Marquardt-Hinrichs. Doch die Bundesregierung sperrt sich seit Jahren gegen eine Änderung des SGB V, was den deutschen Krankenkassen ganz recht sein dürfte. Sie geben derzeit gerade mal ein Prozent ihres Gesamtbudgets für den Rettungsdienst aus.

"Wir haben den kompletten Betrieb jetzt auf das Qualitätsmanagement umgebaut", sagt Hauke. Zwei Jahre hat das gedauert und hat unzählige Arbeitsstunden gekostet. "Vor allem die Woche mit den Prüfungen war heftig", sagt Marquardt-Hinrichs. Und das nächste sogeannte Audit kommt bereits 2019.

Für DRK-Fachbereichsleiter Ammoneit sind einheitliche Standards zwar "eine tolle Sache", er sagt aber auch: "Das wird überbewertet." Das System sei mit viel Bürokratie verbunden, die nicht sofort die Qualität steigere. Ein Rettungsdienst könne auch ohne DIN-Vorschriften auf hohem Niveau arbeiten. Ammoneit: "Wir waren auch ohne Zertifikat schon besonders gut."

Die Koffer sind bereits gepackt, der Wagen voll getankt. Eigentlich könnte es jetzt direkt in den Urlaub gehen, wenn da nicht das Haustier wäre.

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