Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Revolution des Frühjahrsputzes im Celler Bomann-Museum
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Revolution des Frühjahrsputzes im Celler Bomann-Museum
13:44 24.03.2017
Der im Text beschriebene Staubsauger aus der zweiten Hälftedes 19. Jahrhunderts. Rechts daneben ein Siemens-Staubsauger „Rapid“ aus den 1950er-Jahren. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Celle Stadt

Heutzutage regen die Prototypen so manchen Gerätes allerdings eher zum Schmunzeln an. So wie der mehr als hundert Jahre alte, aus einer zweirädrigen Karre mit langen Griffstücken bestehende transportable Staubsauger in der Dauerausstellung des Bomann-Museums, der seinerzeit noch von zwei Personen bedient werden musste. Weit entfernt von heutigem Vorstellungsvermögen. Man muss sich dieses Gerät einfach anschauen:

Während eine Person die hölzerne Hebelstange auf- und abbwegte und so die Pumpe in dem zylindrischen Eisenkasten in Gang setzte, saugte eine zweite Person mit dem Schlauch den Staub auf. Dieser sammelte sich in dem trichterförmigen Behältnis, das mit einem weiteren Schlauch mit dem Pumpkasten verbunden war. Die winzig kleinen Staubteilchen wurden dabei von einer Schicht aus Sägespänen angezogen. Eine Springfeder, die den oberen Abschluss des Staubbehälters bildete, fungierte als eine Art Ventil, das den beim Saugen entstandenen Druck freiließ. So primitiv dieser frühe Staubsauger heute auch anmuten mag, so wurde er in jener Zeit, als man vergeblich versuchte, den Staub mit einem Besen von den Wohnstubenteppichen zu fegen, zu einem wahren Retter in der Not. Denn vor dieser Zeit gab es keine andere Wahl, als die Teppiche (verklebte Auslegeware gab es damals noch nicht) draußen auf dem Rasen oder über Teppichstangen auszuklopfen. Doch das Ausklopfen der Teppiche im Freien war für die Hausfrauen und Dienstmädchen harte und mühsame Arbeit. Vor allem bei großen Teppichen. Zudem fiel der lästige Staub ja nicht nur im Haushalt an, sondern auch in Fabriken, Büros und Hotels. Da kam die Erfindung des Staubsaugers gerade recht.

Doch bis es soweit war, machten noch einige Vorläufer von sich reden. Der am meisten Aufsehen erregende, auf einem zeitgenössischen Foto auch in der Ausstellung gezeigte war ein riesiges, mit einem Benzinmotor betriebenes Monstrum, das vor dem jeweiligen Haus aufgestellt wurde. Im Haus selbst ergaben sich dann weitere Probleme. Nicht erst in den oberen Stockwerken und zwischen den Möbeln, sondern auch schon im engen Treppenhaus war das Ganze dann doch ein wenig zu unhandlich. Daher wurden meterlange Schläuche von der Straße aus durch geöffnete Fenster ins Innere der Gebäude verlegt. Leider erwies sich schon allein der Motorblock als derart schwer, dass sich der monströse Apparat nur mit einem Pferd über größere Distanzen bewegen ließ. Zudem sorgten der knatternde und qualmende Benzinmotor und natürlich das zum Transport notwendige Pferdefuhrwerk in den Straßen für lange Schlangen von Schaulustigen und verursachten ein Verkehrschaos nach dem anderen, vor allem, wenn Pferde von anderen Fuhrwerken oder Kutschpferde vor diesem unbekannten lärmenden Monstrum scheuten und durchgingen.

Aber gerade aus derartigen Unzulänglichkeiten und Lösungsansätzen lernte man und kam der zweckdienlichen Lösung Stück für Stück näher. In den 1950er-Jahren kamen schließlich die ersten nutzerfreundlichen und kostengünstigen Staubsauger auf den Markt und wurden nach und nach in jedem Haushalt zu einer Selbstverständlichkeit.

Von Rolf-Dieter Diehl