Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Ringen um die Macht der Bühne
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ringen um die Macht der Bühne
16:21 21.09.2018
Johann Schibli (links) und Mohamed Alahmad in „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran / Aufstand“. Quelle: Nimr / Schlosstheater Celle
celle neustadt

Kann politisches Theater heute überhaupt noch funktionieren? Im Theaterstück „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran/Aufstand“, das am 4. Oktober im Malersaal des Celler Schlosstheaters Premiere feiert, ringt eine junge, sprachlose Generation mit einer älteren, sprachgewaltigen Generation um die Macht der Bühne – und darum, positioniertes Theater glaubhaft zu erzählen.

Es ist ein anspruchsvolles Stück, das Regisseur Hussam Nimr und Dramaturg Andreas Döring unter der Verwendung der gleichnamigen Texte von Éric-Emmanuel Schmitt und Mely Kiyak entwickelt haben, ein Stück, das den Zuschauer auffordert, sich ganz auf das schier unüberbrückbar scheinende Spannungsfeld zwischen Vergebung und Vergeltung einzulassen. „Die Inhalte sind hier nicht an Figuren geknüpft“, so Nimr, „sondern an Themen.“

Aber der Reihe nach: Ein junger kurdischer Regisseur, aus Syrien geflüchtet, soll seine Geschichte inszenieren. Das Theater hat ihm dafür einen Schauspieler (Johann Schibli) zur Verfügung gestellt, weitgehend vaterlos und als Glaubensflüchtling im Paris der siebziger Jahre aufgewachsen. Zwei Menschen mit zwei unterschiedlichen Kulturgeschichten also, die da gemeinsam Theater machen sollen – beim ersten Treffen der beiden Künstler allerdings erklärt der Schauspieler, dass er den Text des Regisseurs nicht spielen wolle. Er lehne die enthaltene radikale Anklage gegen die Türkei ab, weil sie ausgrenzende Motive lediglich reproduziere.

Der junge Künstler (dargestellt von Mohamed Alahmad, selbst Flüchtling aus Syrien) braucht jedoch den Schauspieler, um seine Anklage als künstlerische Position auf der Bühne vertreten zu können, versucht, sein Anliegen durch seine Prägung zu erklären – der Schauspieler wiederum lehnt diese Position ab, antwortet mit Geschichten aus seiner eigenen Biografie, seinen eigenen Prägungen. „Vergebung versus Anklage“, erklärt Nimr, der seit Beginn dieser Spielzeit als Schauspieler und Regisseur festes Ensemblemitglied des Schlosstheaters ist, „das sind die beiden Pole, zwischen denen sich die Hauptfiguren bewegen.“

„Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, Éric-Emmanuel Schmitts Parabel über das gegenseitige Verständnis von Religionen, tritt hier in einen Dialog mit „Aufstand“, Mely Kiyaks zornigem Monolog eines wütenden Künstlers. „So ein Thema unterhaltsam auf die Bühne zu bringen, ist inhaltlich eine große Herausforderung“, sagt der Regisseur – man darf gespannt sein, wie Nimr und Döring diese beiden politisch durchaus aktuellen Stücke miteinander verzahnen. Überhaupt treibt das Schlosstheater in der laufenden Spielzeit die Fragestellung nach dem politischen Theater um – so hat man, unter anderem mit „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ oder „Zeit der Kannibalen“, gleich mehrere politische Stücke und Inhalte auf den Bühnen.

Von Christina Matthies

Das Literaturfest der VHG-Stiftung bot unter dem Titel „Eine ehrenwerte Familie“ einen Einblick in die mafiösen Strukturen.

21.09.2018

Das junge Jazz-Sextett „Was Nun“ begeistert auf der Bühne des Celler Schlosstheater das Publikum in jeder Aufführung. CZ-Mitarbeiterin Doris Hennies sprach mit Bandleader Moritz Aring.

21.09.2018

Der Griff zum Handy ist für viele Menschen auch am Steuer oder auf dem Fahrrad normal. Wie gefährlich das Lesen einer Nachricht im Verkehr ist, darauf hat die Polizei aufmerksam gemacht.

21.09.2018