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Celle Stadt Rio´s in Celle schließt: Der Letzte macht das Licht aus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Rio´s in Celle schließt: Der Letzte macht das Licht aus
12:23 02.02.2018
Quelle: David Borghoff
Celle Stadt

Der Beat wummert aus den Boxen. Marie muss fast schreien, um gegen den Bass anzukommen. Sie zeigt auf einen Platz. „Hier habe ich meinen ersten Kuss bekommen“, erinnert sich die 16-Jährige. Sie lacht, doch gleichzeitig lässt sie ihren Blick durch den Raum der rappelvollen Kneipe schweifen. Wie auch Marie sind viele Freunde des Rio’s an diesem Abend zusammengekommen. Jeder hat hier seine eigenen „Rio’s-Momente“ erlebt.

„Wo gibt es denn sonst in Celle eine Kneipe, in der man morgens von der Putzfrau begrüßt wird?“, fragt sich Domenic Steffmann. Es gebe einfach immer jemanden, mit dem man reden oder einfach entspannt ein Feierabendgetränk trinken könne. „Ich bin hier mal versackt bis fünf Uhr morgens.“ Ins Bett habe er sich nicht mehr gelegt. „Ich habe gleich durchgemacht und bin zur Arbeit gegangen“, erzählt der 23-Jährige.

Für die Celler Jugend ist die Lokalität nicht einfach nur eine Kneipe. Das Rio’s sei ein Zuhause, verrät Jonas Bird. „Ich habe in den vergangenen eineinhalb Jahren mehr Zeit hier verbracht als mit meinen Eltern.“ Was jetzt nach der Schließung passiert, daran will an diesem Abend niemand so recht denken. „Noch lache ich, aber sobald ich hier rausgehe, werde ich heulen“, fasst Samira Schneider ihre Gefühle zusammen. Max Busse spricht von „tiefer Trauer“. Das Ende des Rio’s bedeute den Verlust von Lebensqualität. Mit der Politik geht Busse hart ins Gericht. „Jugend ist weniger Wert als der gewollte Fortschritt“, sagt er im Hinblick auf den geplanten Ausbau des Nordwalls.

Für Dawn Doneck und Oliver Müller, die die Kneipe 1996 übernommen haben, ist es nicht „die Abschiedsparty“. Die vergangenen Wochen seien kräftezehrend gewesen. „Seit Weihnachten finden bei uns ganz viele persönliche Abschiede statt“, sagt Doneck.

Es ist ein Stück Jugendkultur, das sich hier verabschiedet. Erste Dates unter der Palme, Abi-Lernzettel, wild verteilt auf dem Tisch, Musik jenseits des Mainstreams, die Treppen zum Toilettenthron – es war einmal. Der stetige Anlaufpunkt, wenn alles schon geschlossen hatte. Das Rio’s war ein Unikat in der Herzogstadt: ein Anker für die Rastlosen, die Wachen, die Querdenker. Eine entspannte Atmosphäre, in der jeder sein konnte, wie er wollte. Das Rio’s war Celles Studentenkneipe – nur ohne Studenten.

Es ist das letzte Mal, dass der Neumarkt vom Rio’s beschallt und beleuchtet wird. Ein Lkw fährt vor, öffnet die Ladefläche und schon zupft der Kontrabass-Spieler die Saiten, der Schlagzeuger gibt den Rhythmus an und die Gitarrenspieler hauen ihre Riffs raus. „Der Truck war auch eine Überraschung für uns“, sagt Doneck. Organisiert wurde der Live-Auftritt vom Stadtfest-Team, der Celler Rockmusik-Initiative und Bernd Wengeler. Unter dem hellen Supermond tanzen die Rio’s-Fans auf der Straße. Das Rio’s, „wo Celle zur Stadt wird“, ist Geschichte.

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