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Celle Stadt „Rotlicht-Milieu“ am Celler Bahnhof?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Rotlicht-Milieu“ am Celler Bahnhof?
20:21 17.08.2010
Von Oliver Gatz
Aufleuchtende Lichtkegel und harmonische Klangkulisse für Fußgänger und Radfahrer: So stellt sich der Künstler Vollrad Kutscher die Gestaltung der Unterführung am Bahnhof vor. Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Als der Celler Künstler Dietrich Klatt an den geplanten Licht-Mast mit 100 roten Leuchten am Bahnhof dachte, sprach er scherzhaft von „Rotlicht-Milieu“. Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD), der sich für das Lichtkunst-Projekt seit längerem stark macht, wollte das so nicht stehen lassen. „Wir befassen uns mit dem Bahnhof. Und da gibt es nun einmal die Signalfarbe Rot“, sagte er.

Mit den Visionen zur kunstvollen Gestaltung des Celler Bahnhofs befassten sich am Montag im Kunstmuseum der Kultur-, der Bau- und der Verkehrsausschuss. Im Mittelpunkt stand dabei die Gestaltung der Unterführung für den Straßenverkehr. Zur Diskussion standen zwei Entwürfe. Zunächst stellte die Verwaltung ihre Ideen vor. Dann präsentierte der künstlerische Leiter des 24-Stunden-Kunstmuseums, Robert Simon, gemeinsam mit dem Lichtkünstler Vollrad Kutscher seine Pläne.

Kutscher plant in der Unterführung an beiden Wänden eine interaktive Licht- und Klanginstallation mit LED-Leuchten und Lautsprechern. Diese werden aktiviert, wenn Fußgänger und Radfahrer den Tunnel durchqueren. Verkehrsgeräusche werden elektronisch verzerrt und sollen als angenehmer Klang reflektiert werden. Darüber hinaus soll eine Lichtblüte – ein zehn Meter hoher Mast mit einer Blütendolde aus 100 roten Leuchten – zwischen Unterführung und Bahnhofsgebäude errichtet werden.

Karl-Heinz Kroll, Verkehrssicherheitsexperte der Polizei Celle, äußerte Bedenken, dass der Lichtmast Verkehrsteilnehmer von der Ampel ablenken könnte. Außerdem regte er an, die Wände in der Unterführung farbig zu gestalten, um Graffiti-Schmierereien zu vermeiden. „Es wäre schade, wenn man viel Geld in so etwas reinsteckt, und in zwei, drei Tagen ist das zerstört.“ Hans-Herbert Encke (FDP) schlug vor, dort eine Videoüberwachung zu installieren. Dies lehnte Andreas Hauptmeyer (BSG) entschieden ab. Andere Sitzungsteilnehmer hätten sich eine Präsentation der Klangkunst gewünscht.

Karsten Moritz (CDU) erinnerte an die Kosten des Projekts. Für andere wichtige Vorhaben – etwa die Verbesserung der Infrastruktur in der City – sei kein Geld vorhanden, kritisierte er. Das passe nicht zusammen. Georgia Langhans (Grüne) fragte, ob sich die Bahn an den Kosten beteiligen werde. Dazu sagte Mende: „Die Bahn hat nicht erklärt, dass sie den ganzen Kunstbahnhof – so wie wir ihn uns vorstellen – finanzieren wird.“

Angesichts offener Fragen einigten sich die Ausschüsse darauf, keine Empfehlung abzugeben, sondern die Pläne in den Fraktionen zu beraten. Eine Entscheidung soll im Verwaltungsausschuss am kommenden Dienstag fallen.

Vor gut drei Jahren begann die Verwaltung mit der Entwicklung eines eigenen Lichtkunst-Entwurfs für die Unterführung am Bahnhof. Demnach werden an einer der beiden Wände 40 blaue LED-Leuchten und fünf horizontale Lichtschlitze in die Oberfläche eingelassen. Die versetzten Lichtschlitze sollen die Hochwasserstände der Aller symbolisieren. Die blauen LED-leuchten könnten Beobachter als stilisierte Regentropfen deuten.

Für den Entwurf hatte die Verwaltung 80000 Euro veranschlagt. Dieser Betrag könnte nun für den konkurrierenden Kutscher-Entwurf ausgegeben werden, den die jetzige Verwaltungsspitze favorisiert. Bei der politischen Entscheidung ist Eile geboten, da die Arbeiten in der Unterführung soweit sind, dass die erforderlichen Verschalungen in die Wand eingebracht werden könnten.