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Celle Stadt Rüben aus dem Celler Land sind nicht gefragt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Rüben aus dem Celler Land sind nicht gefragt
19:14 22.09.2017
Von Christopher Menge
Landwirt Cord Penshorn aus Huxahl wird im kommenden Jahr weniger Zuckerrüben anbauen. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

So wird auch Landwirt Cord Penshorn aus Huxahl weiterhin Zuckerrüben anbauen, allerdings weniger als bisher. 2017 waren es knapp 25 Hektar. „Wir hatten auf mehr Lieferrechte gehofft“, sagt der Landwirt. In seinem Fall ist es besonders ärgerlich, dass er keinen Zuschlag für die freien Mengen erhalten hat – seine Felder sind sieben Kilometer zu weit von der Zuckerfabrik in Uelzen entfernt. „Die Fabrik muss den Transport bezahlen und bezieht die Rüben daher aus einem Umkreis von 48 Kilometern“, erzählt Penshorn.

Heinrich-Hubertus Helmke, Geschäftsführer des Verbands Norddeutscher Zuckerrübenanbauer, hat die emotionale Vergabe verfolgt. „Es ist aber nicht gesagt, dass es ein wirtschaftlicher Nachteil ist, wenn man keinen Zuschlag bekommen hat“, betont er. Gerade die Landwirte im Landkreis Celle seien breit aufgestellt. „In diesem Jahr haben die Landwirte im Landkreis Celle die Chance genutzt, mehr Zuckerrüben anzubauen, im nächsten Jahr wird es wieder weniger werden“, sagt Helmke.

Aber nicht nur in der hiesigen Region wurde auf die Zuckerrübe gesetzt. In der gesamten EU wurde der Ausbau um 17 Prozent ausgedehnt, etwa vier Millionen Tonnen Zucker wurden zusätzlich erzeugt. Hintergrund ist, dass die strenge Regulierung der EU weggefallen ist beziehungsweise zum 1. Oktober offiziell wegfällt. Bislang galt für die Zuckerrübe, aus der etwa 80 Prozent des Zuckers hierzulande stammen, ein fester Mindestpreis. Eine Quote bestimmte außerdem, wie viel Zucker insgesamt in Deutschland produziert werden durfte.

Die neue Regelung birgt aber auch Gefahren für die Landwirte, denn der Preis für die Zuckerrüben orientiert sich künftig am Weltmarkt. „Es wird sich zeigen, ob die Zuckerrübe attraktiv bleibt“, sagt Penshorn. „Der Trend ist auf jeden Fall, dass das Risiko auf den Landwirt verlagert wird.“ Hintergrund ist ein neues variables Preismodell, das die Landwirte neben einem festen wählen können. „Wenn der Zuckerpreis hoch ist, gibt es mehr“, sagt Helmke. Pessimistisch gedacht, ist aber auch das Gegenteil möglich.

Fakt ist, dass die Preise von Zuckerrüben und fertigem Zucker stärker schwanken werden. Nach Einschätzung der Industrie wird sich für die Endverbraucher jedoch kaum etwas ändern. Die Entwicklung für die Landwirte ist dagegen nicht absehbar. „Die Auswirkungen werden sich erst mit der Zeit zeigen“, sagt Helmke. Penshorn hat die Möglichkeit, sich im kommenden Jahr wieder auf die freien Mengen für das Jahr 2019 zu bewerben. Vielleicht ist das Angebot dann so, dass die Zuckerfabrik in einem sieben Kilometer größeren Umkreis Rüben kaufen muss.