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Celle Stadt Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren: Celler Schulleiter halten Wunsch für berechtigt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren: Celler Schulleiter halten Wunsch für berechtigt
16:56 13.02.2014
Von Christopher Menge
Celle Stadt

Vor zwei Jahren hat Mareile Tycher ihre allgemeine Hochschulreife am Kaiserin-Viktoria-Gymnasium in Celle bestanden – mit 17 Jahren. Inzwischen studiert die 19-Jährige bereits im dritten Semester in Lüneburg auf Grundschullehramt Deutsch und Sachunterricht. Tycher hat das 2011 von der Landesregierung eingeführte Turbo-Abitur gemacht. Mit dem sogenannten G8 (Abitur nach zwölf Jahren) hatte Tycher keine Probleme. „Phasenweise war es aber schon sehr stressig“, sagt die Studentin. Das bestätigt auch Abiturientin Lena Kirschning vom KAV-Gymnasium. „In einigen Fächern merkt man die Verkürzung ziemlich“, sagt sie.

Diesem erhöhten Leistungsdruck wollen Lehrer, Eltern und Schulleiter entgegen wirken. Am Mittwoch forderten sie die niedersächsische Landesregierung erneut auf, zum Abitur nach 13 Jahren zurückzukehren. Hubertus Bühmann, Direktor des Immanuel-Kant-Gymnasiums Lachendorf, hält diesen Wunsch für berechtigt. „G8 ist bei vielen Eltern sehr unbeliebt“, sagt Bühmann, der eine deutlich höhere Abbrecherquote festgestellt hat. „Viele Acht- und Neuntklässler können mit dem Stress nicht umgehen“, sagt er. Mitten in der Pubertät seien die Schüler mit 35 Stunden Unterricht plus Hausaufgaben und Vokabeln lernen überfordert. „Diejenigen, die ihr Abi nach 12 Jahren schaffen sind aber nicht schlechter als diejenigen, die früher 13 Jahre Zeit hatten“, sagt Bühmann.

Das bestätigt auch Johannes Habekost, Schulleiter des Gymnasiums Ernestinum in Celle, der vor zehn Jahren ein großer Verfechter des G8-Modells war. „Durch den Wegfall der Orientierungsstufe kommen die Schüler zwei Jahre früher zu uns“, erklärt Habekost, „da dachte ich, dass wir sie auch ein Jahr früher abgeben können.“ Doch inzwischen hat Habekost seine Meinung geändert. „Es überwiegt die Sorge“, so der Schulleiter, „wir jagen durch das Programm und sind gezwungen, abstrakte Themen schon in der Mittelstufe zu behandeln.“

Auch bei der Berufsorientierung müssten durch die Verkürzung auf 12 Jahre schon sehr früh im Leben Entscheidungen getroffen werden. Die Problematik, dass die Schüler das Gymnasium sehr früh verlassen, sieht auch Mirko Truscelli, Schulleiter des Hermann-Billung-Gymnasiums Celle. Auf der anderen Seite warnt Truscelli aber davor, dass eine Rückkehr zu G9 mit sehr viel Arbeit verbunden wäre. „Aber wir sind als Schulen ja ohnehin nur Befehlsempfänger“, sagt der Schulleiter, „das, was politisch entschieden wird, setzen wir um.“

Bühmann will aber nicht länger als „Prügelkind der Landesregierung“ dastehen. „Die Ungleichbehandlung mit anderen Schulformen muss aufhören“, fordert der Lachendorfer Schulleiter mit Blick auf G9 an den Gesamtschulen. Mette-Bonde Schmid-Hennies, Schulleiterin des Hermannsburger Christian-Gymnasiums, fände eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 gut. „Es gibt Eltern, die sich für beide Seiten begeistern“, sagt sie.

Kirschning hat ihre Schulzeit durch einen Aufenthalt in den USA selbst um ein Jahr verlängert. „Ich wäre aber auch bei Abitur nach 13 Jahren ins Ausland gegangen“, sagt die Abiturientin, „schon mit 17 mit der Schule fertig zu sein, wäre viel zu früh gewesen.“