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Celle Stadt "Rückrufaktion für gesunden Menschenverstand"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Rückrufaktion für gesunden Menschenverstand"
19:12 27.03.2017
Von Jürgen Poestges
Philip Simon ghastiert am 27. April in der CD-Kaserne. Quelle: Christoph Ruecker PHTGRPHY
Celle Stadt

CZ-Redakteur Jürgen Poestges erwischte den gebürtigen Niederländer an seinem Schreibtisch zu Hause in Köln bei der Arbeit an einem neuen Programm.

Philip Simon, derzeit haben Sie als Kabarettist doch richtig Spaß, oder?.

Ja, das stimmt. Eigentlich muss ich mir gar keine eigenen Texte überlegen. Zitieren reicht völlig aus.Man muss nur warten, was denn zum Beispiel Donald Trump gerade twittert. Welchen Werbespot hat er jetzt gesehen und was hat er jetzt wieder falsch verstanden.

In Ihrer Late-Night-Show waren viele Politiker zu Gast. Wird man dann automatisch zum Kabarettisten?

(lacht). Naja, das kann ich Sie als Journalisten ja auch fragen. Aber im Ernst: Ich gehe davon aus, dass jeder, der sich politisch engagiert, eigentlich etwas positiv bewegen will. Allerdings gerät man dann in Abhängigkeiten und Situationen, in denen man einfach nicht mehr handeln kann, wie man es sich vorstellt. Schauen Sie sich doch nur an, wie in Berlin oder Brüssel die Lobbyisten die Politiker belagern.

Was dürfen die Besucher in Celle von dem Programm erwarten?

Ich nenne es Rückrufaktion für den gesunden Menschenverstand. Dabei gehe ich nicht auf tagesaktuelle Entwicklungen ein. Sondern ich versuche, hinter die Kulissen zu schauen und Zusammenhänge deutlich zu machen. Ich frage zum Beispiel, ob es sein kann, dass Deutschland sich völlig abkapselt und die Grenzen dicht macht, auf der anderen Seite aber Geschäfte mit anderen Ländern abwickelt. Durch die Schließung der Grenzen hat sich zum Beispiel an der Situation in Syrien nichts geändert. Wir tun so, als ob wir das Problem einfach ignorieren könnten.

Jeden Abend lachen und klatschen die Menschen bei Ihren Auftritten, nachher machen doch die meisten so weiter wie vorher. Glauben Sie, dass Sie als Kabarettist grundsätzlich etwas ändern können?

Ich bin kein Kabarettist, der Lösungen anbietet. Ich versuche, Dinge aufzuzeigen, die irgendwie falsch laufen. Das ist zum Beispiel beim Thema Bio-Lebensmittel so. Immer mehr Menschen wollen sich Bio ernähren. Aber wir haben in Deutschland gar nicht genug Anbauflächen, um die große Nachfrage befriedigen zu können. Also werden die Waren herangekarrt: Mit Lkw, mit Flugzeugen – wo ist da der Sinn?

Womit wir wieder beim gesunden Menschenverstand wären.

Genau. Und es gibt viele Dinge, bei denen man sich eigentlich an den Kopf fasst. Ich stelle in meinem Programm einige davon vor. Unterstützt werde ich der Recherche von zwei Journalisten, die mich auf das ein oder andere Thema hinweisen. Mir ist es wichtig, dass die Fakten stimmen und ich den Leuten nichts Falsches erzähle.

Wie sind Sie auf den Titel des Programms gekommen?

Es gibt ja Arachnophobie, die Angst vor Spinnen. Ich habe das Wort einfach ein bisschen angepasst. Ich will zeigen, dass wir Spinner brauchen in unserer Welt. Und zwar die, die positiv nach vorne spinnen. Nicht die, die sich und anderen den Blick auf die Dinge verstellen.