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Celle Stadt Rührende Komödie startet am Celler Schlosstheater
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Rührende Komödie startet am Celler Schlosstheater
17:39 28.12.2017
Im Theaterstück „Ziemlich beste Freunde“ übernimmt Gintas Jocius die Rolle des Driss und Thomas Wenzel spielt Phillipe (von links). Quelle: Schlosstheater Celle / Hoffmann
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„Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und erzählt von dem wohlhabenden und adligen Unternehmer Philippe, der seit einem Paragliding-Unfall als Tetraplegiker querschnittsgelähmt ist, und kaum mehr als nur den Kopf bewegen kann,“ erklärt Regisseurin Maya Fanke. Sein einziges Fortbewegungsmittel ist der technisch anspruchsvolle Rollstuhl, den freundlicherweise das Sanitätshaus Pahmeyer in Celle zur Verfügung gestellt hat.

Philippe ist auf die Hilfe eines Pflegers ange-wiesen, aber niemand hält es lange bei ihm aus – vor allem, weil Philippe das mitleidige Getue seiner Umgebung nicht erträgt. Da wird ihm Ex-Häftling Driss vom Arbeitsamt geschickt. Seine direkte, bisweilen respektlose Art spricht Philippe so an, dass er Driss als seinen Pfleger einstellen möchte. Zwei Welten prallen aufeinander, zwei Menschen lernen voneinander Ungeahntes über das Leben. Die soziale Kluft zwischen ihnen kümmert die beiden irgendwann nicht mehr, Driss und Philippe werden durch ihr besonderes Verhältnis zueinander „ziemlich beste Freunde.“ Eine rührende Komödie entwickelt sich, basierend auf der biografischen Geschichte des ehe-maligen Chefs der Champagner-Dynastie Pommery, Philippe Pozzo di Borgo.

„Ich lehne meine Inszenierung sehr an die Dramatisierung aus dem Film an,“ sagt Maya Fanke, „das Theaterstück folgt zwar nicht der Chronologie des Films, aber viele Ereignisse, die Höhepunkte im Film sind, findet man auch hier.“ Natürlich habe man auch personell kürzen müssen: Thomas Wenzel übernimmt die Rolle des Philippe, Gintas Jocius spielt den Häftling Driss und in verschiedenen Rollen wird Katrin Steinke Quintana zu sehen sein.

„Die Tragik und das Mitleid, die in Philipps Schicksal liegen, darf man allerdings nicht überbewerten,“ erläutert die Regisseurin, „gerade der robuste und letztlich ganz normale Umgang ist für Philipp ein Gewinn und eine Wohltat. Eine Bereicherung im Leben ist der Umgang der beiden Männer aus den verschiedenen sozialen Schichten für alle beteiligten.

Allerdings müsse man sich davor hüten, sagt Fanke, ins Sentimentale abzugleiten. Chefdramaturg Ralph Blase ergänzt: „Die Gefahr, dass die Geschichte ins Kitschige abrutscht, ist allerdings sehr gering. Dazu wird sie mit zu viel Wärme erzählt.“ Man darf sogar lachen, sagen beide, auch Behinderte haben Humor. Komische Situationen gibt es genügend. Andrea Hoffmann, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, bringt es schließlich auf den Punkt: „Wenn ich einen Menschen respektiere, dann darf ich über ihn auch mal Witze machen.“

Von Hartmut Jakubowsky