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Celle Stadt SPD-Fraktionsvorsitz: Tage von Rentsch gezählt?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt SPD-Fraktionsvorsitz: Tage von Rentsch gezählt?
17:34 07.10.2016
Von Gunther Meinrenken
Aussichtsreichster Kandidat auf den Fraktionsvorsitz der SPD im Celler Rat ist Jörg Rodenwaldt Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle Stadt

Rentsch hatte vor fünf Jahren den langjährigen Fraktionsvorsitzenden Jens Rejmann beerbt. Nicht wenige innerhalb der Partei verbanden damit die Hoffnung, einen Generationswechsel für die kommenden Jahre vollzogen zu haben. Doch Rentsch erfüllte die Erwartungen nicht. Das Duo Rentsch und seine Fraktionsgeschäftsführerin Katja Hufschmidt-Bergmann entwickelten nur wenig Außenwirkung. Und wenn, dann war sie für die Partei manchmal eher schädlich.

Wie bei der Frauenhaus-Affäre, die vor etwa einem Jahr ihren Ausgang nahm und in der beide mehr als nur unglücklich agierten. Hufschmidt-Bergmann stand im Verdacht, von ihrer Parteifreundin und Vorsitzenden im Frauenhaus, Amei Wiegel, einen Büro-Job zugeschustert bekommen zu haben. Das hässliche Wort von Filz machte die Runde. Die Beteiligten zeigten wenig Fingerspitzengefühl, auch Rentsch. Unter anderem zog er es vor, seiner Fraktionsgeschäftsführerin bei einer Mitgliederversammlung im Frauenhaus den Rücken zu stärken, statt als Fraktionsvorsitzender zur entscheidenden Haushaltssitzung des Verwaltungsausschusses zu gehen.

"Die Geschichte im Frauenhaus hat uns im Wahlkampf Stimmen gekostet. Dafür trägt auch Rentsch die Verantwortung", so ein SPD-Funktionär, der namentlich nicht genannt werden möchte. Und dafür könnte Rentsch nun abgestraft werden.

Auch das Wahlergebnis spricht eher für Rodenwaldt. Der hatte mit Abstand die meisten Stimmen aller SPD-Ratsmitglieder geholt (1012), Rentsch kam nur auf 412 Stimmen. Ein Fraktionsvorsitzender, so Stimmen aus der SPD, sollte bei Wahlen mehr Sogwirkung entfalten.

Rentsch, der nach der Kommunalwahl noch fest davon ausgegangen sein soll, wieder Fraktionsvorsitzender zu werden, schlägt mittlerweile leisere Töne an: "Ich werde mir das in den kommenden Tagen durch den Kopf gehen lassen." Rodenwaldt hält sich bedeckt, räumt aber ein: "Mir ist bekannt, dass nicht nur seit ein paar Wochen die Frage im Raum steht, ob ich Interesse hätte am Fraktionsvorsitz."

Bei der CDU ist die Entscheidung bereits gefallen. Heiko Gevers, der seit 2009 Fraktionsvorsitzender ist und sich im Kommunalwahlkampf weitere Verdienste um die Partei in der Abteilung "Attacke" erworben hat, steht erneut an der Spitze. "Ich bin einstimmig gewählt worden", erklärt Gevers.

Dem 72-Jährigen ist jedoch klar, dass ein Generationswechsel ansteht. "Ich werde daher nur für die kommenden zweieinhalb Jahre den Fraktionsvorsitz bekleiden. Danach gebe ich ihn an einen Jüngeren ab." Als aussichtsreicher Kandidat, um Gevers zu beerben, gilt Alexander Wille. Dieser hat als Vorsitzender des CDU-Stadtverbands in den vergangenen Jahren politische Erfahrung gesammelt. Jetzt ist er erstmals auch in den Celler Rat eingezogen.