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Celle Stadt Sachbuch soll Ezidentum bekannter machen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Sachbuch soll Ezidentum bekannter machen
12:08 20.02.2014
Salih Yalti (rechts) stellt im atelier 22 sein Sachbuch über das Ezidentum vor. Quelle: Benjamin Westhoff
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Yalti ist Mitbegründer des Ezidischen Kulturzentrums in Celle und war zwölf Jahre erster Vorsitzender des Vereins. Er kennt die Probleme und Vorurteile, mit denen die Eziden häufig konfrontiert werden. „Kaum einer kennt uns. Viele halten uns für Türken oder Muslime“, sagt Yalti. „Die Leute haben Vorurteile uns gegenüber, obwohl wir integriert sind und unsere Existenzen in Deutschland aufgebaut haben.“ Mit seinem Buch möchte der Celler aufklären und seine Glaubensgemeinschaft bekannt machen.

Die Eziden sind eine religiöse Minderheit der Kurden, so ist auch die Alltagssprache Kurdisch. Ursprünglich siedelten die Eziden im Norden Syriens und des Iraks sowie in der südöstlichen Türkei. Aufgrund von Verfolgungen im Nahen Osten wanderten viele Eziden nach Europa und Nordamerika aus.

Auch Yalti zog als Neunjähriger mit seiner Familie nach Deutschland, da sein Vater als Gastarbeiter eine Anstellung in Celle erhielt. Seit 1975 lebt der Bauleiter hier, heiratete 1986 seine Frau Gazal und nahm 1995 die deutsche Staatsbürgerschaft an.

Das Ezidentum ist eine eigenständige monotheistische Religion, das heißt, es wird nur ein Gott angebetet. Außerdem glauben die Eziden an die heiligen Elemente Feuer, Wasser, Luft, Erde, Sonne und Mond. Ein Kastensystem gliedert die Gemeinschaft in drei Kasten: Scheiche, Pirs und Muriden.

Das Ezidentum ist keine missionierende Religion, man kann nur als Ezide geboren werden. Voraussetzung ist, dass beide Elternteile ezidischer Abstammung sind. Die Heiratsvorschriften sind strikt, die Heirat eines Eziden mit einem Andersgläubigen führt grundsätzlich zu seinem Austritt aus der Religionsgemeinschaft. Yalti ist sich bewusst, dass diese engen Vorgaben problematisch sein können: „Es wird vielleicht bald eine Reform geben, die das ändert.“

Nicht reformbedürftig ist die Stellung der Frau im Ezidentum – sie ist vollkommen gleichberechtigt. „In der Religion hat die Frau sogar mehr zu sagen“, weiß Yalti.

Die Idee zu dem Sachbuch über das Ezidentum hatte der dreifache Familienvater bereits 2012. Vergangenes Jahr widmete er sich dem Zusammentragen der Informationen und dem Schreiben. Das Bundesfamilienministerium finanzierte den Druck der Erstauflage von 1100 Exemplaren im Rahmen ihres Programms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“. Gegen eine Spende wechselt das Buch den Besitzer. Yalti erreichen Nachfragen aus ganz Deutschland, so dass die nächste Auflage bereits in Planung ist.

Von Amelie Thiemann