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Celle Stadt „Sag Nein zu anderen und Ja zu dir“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Sag Nein zu anderen und Ja zu dir“
16:03 20.08.2010
Wolfgang Kiehl informierte 90 Schüler der Realschule Heese über sein Leben als Drogenabhängiger. Evin (von links), Gregor, Damaris, Hendrik und Lars wollen mit Drogen aller Art nichts zu tun haben. Quelle: Gert Neumann
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Das war harte, aber Leben rettende „Kost“. Was Ex-Leistungssportler und Ex-Junkie Wolfgang Kiehl unter dem Motto „Rausch ohne Ende?“ in seinem Vortrag 90 Schülern der Realschule Heese zugemutet hat, war schwer zu verdauen, aber „Augen öffnend“. Wie gebannt hingen die Achtklässler an den Lippen des Referenten.

Kiehl zeigte die „Karriere“ eines Drogenabhängigen auf – seine „Karriere“. Schonungslos gegen sich selbst. Wie aus dem braven Familienkind Wolfgang einer wurde, der sich „durchsetzen“ sollte und als „Wolle“ im Milieu landete. Durchsetzen in einer neuen Schulklasse mit Rabauken der Extraklasse. Kiehl setzte sich durch, wurde zum Schrecken der Lehrer. Mit 16 Jahren hatte er den Vater weichgeklopft und konnte das Elternhaus verlassen. Er genoss die vermeintliche „Freiheit“, die ihn über Zigaretten und Alkohol zu Drogen aller denkbaren Varianten führte.

„Das war der erste große Knackpunkt in meinem Leben. Wenn ihr es alleine machen wollt, seid ihr in großer Gefahr“, sagt er. Mit Zigaretten fing es in der fünften Klasse an. „Das fand ich cool“, so Kiehl, der Dank der finanzieller Unterstützung der Techniker Krankenkasse jährlich in 100 Schulen, Vereinen und Verbänden kostenfrei Aufklärungsarbeit gegen Drogen aller Art leistet.

„Die Zigarette war bei mir die Einstiegsdroge, dann kam der Alkohol dazu. 99 von 100 Junkie-„Karrieren“ beginnen so. „Das zu berichten, andere von diesem gnadenlosen Weg ohne jede Perspektive abzuhalten, ist mir ein Bedürfnis. Von 25 Freunden der Clique haben nur drei den Absprung geschafft.“

Kiehl flog er von der Schule, musste ein Praktikum als Hilfswilliger bei einem Klempner annehmen. „Das einzig Gute war, eigenes Geld zu verdienen. Das Schlechte aber, das es in Drogen umgesetzt werden konnte. Es wurde viel und exzessiv gesoffen, was heute immer noch als „cool“ gilt“, so der 47-jährige Kiehl.

Dann kam Haschisch ins „Spiel„. „Glaubt keinem, der euch weismachen will, dass Drogen harmlos und ungefährlich sind. Finger weg von Anbeginn“, warnte er. Mit Joints endete für den damals Fünfzehnjährigen seine Sportlerkarriere. Kokain hieß die nächste Station. Mädchen steigen meist als Ko-Abhängige der Jungen in die Szene ein. Es folgte Heroin: Fünf Gramm, 300 Mark Kosten pro Tag. „Ich habe mich mit Klauen über Wasser gehalten.“ Schließlich landete Kiehl in U-Haft, machte einen unfreiwilligen Entzug in der Zelle durch. „Ich lag da mit Höllenqualen, die ich nicht einmal meinem ärgsten Feind zumuten möchte. Das war für mich die Wende“, so Kiehl, der mit aller Macht gegen seine Sucht anging und nach sieben Jahren schwerster Abhängigkeit „trocken“ ist.

Wie kommt man raus aus dem Sumpf? Kiehl rät. „Sag „Nein“ zu anderen, dann sagst du „Ja“ zu dir.“ Kiehl bietet noch einigen Sportvereinen und Organisationen der Region kostenlos Referate an: (05181) 8552347 und (0179) 4182436, E-Mail info@suchtmobil.de.

Von Gert Neumann