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Celle Stadt Salatbar öffnet wieder die Pforten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Salatbar öffnet wieder die Pforten
18:10 10.06.2011
Celle Stadt

Die Beweise verdichten sich immer weiter: Sprossen sind für den Ausbruch der schweren EHEC-Epidemie in Deutschland verantwortlich. Die Behörden hoben zugleich die Warnung vor Tomaten, Gurken und Blattsalat auf. In Celle reagiert Antonio de Ciantis, Inhaber der Saft- und Salatbar in der Schuhstraße, erleichtert auf die Nachricht. Ab Dienstag will er seinen Laden wieder öffnen. Von Entwarnung hinsichtlich der Infektionswelle könne man jedoch nicht sprechen, sagt Olaf Schauer, Sprecher des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) Celle. Aufklären will Professor Martin Kirschstein derweil über Übertragungswege und -risiko bei EHEC, um Überreaktionen zu vermeiden.

„Das war sehr wichtig, dass die Entwarnung kommt“, sagt de Ciantis hinsichtlich der Enscheidung der Behörden. Er sei sicher, dass sich die Keime über die Sprossen verbreitet hätten. „Das ist gefährliche Ware, Keime bilden sich gerne in diesen Tüten.“ Zwei Wochen hatte er seine Salatbar geschlossen, dazu kommt eine Woche, in der er wegen der EHEC-Epidemie weniger Kunden gehabt habe. Den Schaden beziffert er insgesamt auf rund 11.000 Euro. Seine Enscheidung bereut er jedoch keine Sekunde: „Es war gut so, man hat Verantwortung“, sagt er. Jetzt hofft er, dass die Kunden schnell wieder Vertrauen zur Rohkost fassen.

Im AKH werden derzeit noch 16 Menschen mit Verdacht oder bestätigter EHEC-Infektion behandelt, einer davon weiterhin auf der Intensivstation. „Unsere Mannschaft arbeitet immer noch am Limit“, sagt Schauer. Aufgrund des grassierenden EHEC-Keims ist zudem die Angst in der Bevölkerung derzeit groß, sich bei Mitmenschen zu infizieren. In Celle hätten einige Eltern aus diesem Grund bereits darauf verzichtet, ihre Kinder in die Schule zu schicken, berichtet Kirschstein. Er betont jedoch, dass dies nicht notwendig sei: „Eine Ansteckungsgefahr von Mensch zu Mensch ist minimal, fast zu vernachlässigen.“ Der Grund: Anders als bei einer Grippe wird der Erreger nicht per Tröpfcheninfektion - also etwa beim Niesen – übertragen, sondern per Schmierinfektion.“ Das heißt: Anstecken kann man sich nur im direkten Kontakt mit den Keimen.

„Wir wollen einer Panikmache entgegentreten“, sagt Carsten Bauer vom Gesundheitsamt des Landkreises Celle. Dass Kinder nicht zu Schule geschickt und teilweise aufgrund von EHEC-Fällen in ihrem Umfeld gemieden wurden, sei erschreckend. Die Panik wäre grundlos: „Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist extrem unwahrscheinlich, jeder kann bedenkenlos zur Schule oder zur Arbeit gehen.“ Um die Hände zu säubern, sei das Waschen mit warmem Wasser und Seife ausreichend.

Träger des EHEC-Keims würden zudem detailliert darüber informiert werden, welche Hygieneregeln sie einzuhalten haben. Infizierte haben laut Kirschstein nach ihrer Entlassung drei Stuhlproben abzugeben, die negativ sein müssen. „Erst dann können sie wieder am Unterricht teilnehmen oder in den Betrieb zurückkehren“, berichtet Bauer. „Aber auch schon davor können Kinder wieder mit anderen Kindern spielen“, so Kirschstein.

Wer über die Pfingsttage Rat sucht, kann sich unter der Telefonnummer (0511) 4505555 an das Niedersächsische Landesgesundheitsamt wenden.

Von Christian Uthoff