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Celle Stadt Sanitäter in Celle: Im Notfall schneller da als der Arzt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Sanitäter in Celle: Im Notfall schneller da als der Arzt
19:21 05.09.2017
Von Dagny Siebke
Malte Pöhland (links) und Joel Klement gehören zu den ersten 30 Notfallsanitätern in ganz Niedersachsen. Nach ihrer dreijährigen Ausbildung beim DRK können sie den Patienten auch Medikamente spritzen und damit Schmerzen nehmen. Quelle: Dagny Siebke
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Die neue Ausbildung löst die bisherige zweijährige Qualifizierung zum Rettungsassistenten ab. Sie ist für den Lehrling kostenfrei, inhaltlich anspruchsvoller und beinhaltet mehr Praxisanteile. Rettungsdienstleiter Uwe Ammoneit erläutert: "Die Leute denken, dass im Notfall nur ein Arzt helfen kann. Doch die Notfallsanitäter werden jetzt als eigene Berufsgruppe anerkannt und dürfen eigenverantwortlich Medikamente geben. Das sind nicht mehr nur Krankenwagenfahrer."

So können die Notfallsanitäter Patienten Morphin spritzen und Schmerzen lindern oder Allergiker vor einem Schock bewahren, der lebensbedrohlich werden könnte. "Früher mussten Rettungsassistenten oft Rechtsbruch begehen, um Leben zu retten. Mit der neuen Ausbildung wurde ihre Arbeit aus der rechtlichen Grauzone geholt", ergänzt Ammoneit.

Die Erweiterung der Kompetenz ist auch nötig, da es im Landkreis Celle mittlerweile nur noch einen Notarzt gibt. "Die Notfallversorgung hat sich verbessert, weil die Sanitäter schneller als der Notarzt vor Ort sind", betont Ammoneit. Schon beim Eintreffen des Notrufes in der Rettungsleitstelle entscheiden die Mitarbeiter nach bestimmten Kriterien, ob der Notarzt kommen muss oder nicht.

"Die dreijährige Ausbildung hat viel gebracht, wir haben nicht nur unsere medizinischen Kenntnisse im Krankenhaus erweitert, sondern gelernt, wie wir mit bestimmten Patientengruppen umgehen müssen", erklären Pöhland und Klement. "Während unseres Praktikums waren wir je eine Woche in einer Kita, in der Altenpflege, in der Psychiatrie und in einer Behinderteneinrichtung. Dafür haben die älteren Kollegen früher ganz viel Erfahrung gebraucht." Auch für kulturelle Unterschiede sind die Sanitäter nun sensibilisiert.

Neben der Sozialkompetenz wurde auch die taktische Kompetenz bei Großschadenslagen geschult. So sind die Notfallsanitäter zum Beispiel auch auf Terroranschläge und Amokläufe vorbereitet. "Diese Einsätze sind zwar ganz selten, aber wenn was passiert, müssen sie es können", sagt Ammoneit. Gerade bei aggressiven Patienten müssen sie die Situation entschärfen können.

Auch bei psychisch extrem belastenden Einsätzen wissen sie, wie sie damit als Team umgehen sollten, damit sich die Eindrücke nicht verfestigen und zum Trauma werden. "In den Praxisphasen wird man nicht allein gelassen und nicht überfordert", sagt Pöhland. Im ersten Jahr fahren die Auszubildenden als dritte Kraft zusätzlich mit, im zweiten Jahr als zweite Kraft.

"Viele denken bei Rettungssanitätern nur an Unfälle und schlimme Bilder. Doch zum Glück sind schwere Notfälle selten", sagt Klement. "Als Azubi verdient man gutes Geld und bekommt alle Lehrmaterialien und ein Ipad gestellt." Die guten Bedingungen haben sich schnell herumgesprochen. Inzwischen bekommt das DRK 30 Bewerbungen pro Ausbildungsplatz. Neun von zehn Azubis kennt das DRK schon aus dem Bundesfreiwilligendienst. Beim Kreisverband gibt es bereits mehr als 30 Notfallsanitäter, die nach einer zweiwöchigen Weiterbildung die Ergänzungsprüfung abgelegt haben und mindestens fünf Jahre Berufserfahrung als Rettungsassistenten vorweisen.