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Celle Stadt Schäfer aus der Heide lehnen Herdenschutzhunde ab
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schäfer aus der Heide lehnen Herdenschutzhunde ab
17:24 25.08.2017
Hier wachen wir: Nach Übergriffen der Goldenstedter Wölfin beschützen jetzt Kaukase Lea (links) und Pyrenäenberghund Rudi die Herde. Quelle: Anne Friesenborg
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Die Hunde sind für ihren angeborenen Schutzinstinkt und die Bereitschaft, ihre Schützlinge bis zum Tod zu verteidigen, bekannt. Auch in Niedersachsen sind mittlerweile etwa 50 Herdenschutzhunde im Einsatz. "Es gibt kein Patentrezept für hundertprozentigen Herdenschutz, aber Herdenschutzhunde sind eine gute Schutzmaßnahme gegen Wölfe", sagt Tino Barth aus Goldenstedt. Der Schäfer schaffte sich neun Herdenschutzhunde an, nachdem die Goldenstedter Wölfin Zäune in Höhe bis 1,60 Meter übersprungen und großen Schaden in seinen Herden angerichtet hatte.

Die Wölfin mit ihrem Nachwuchs bereitet dem Schäfer aber nach wie vor große Sorgen. Denn trotz mindestens zwei Hunden in der Herde kam es im vergangenen Jahr zu einem Wolfsangriff. Pyrenäenberghund Rudi wurde dabei schwer verletzt – er überlebte nur knapp. „Mittlerweile ist Rudi wieder obenauf und Chef in der Gruppe", berichtet Barth. "Dass ein angegriffener Herdenschutzhund wieder einsetzbar ist, ist nicht selbstverständlich." Es gebe Hunde, die keinen Schutz mehr bieten, weil sie Angst haben. "Das merkt der Wolf und ist sofort in der Herde drin", so Barth.

Auf eine Erfahrung von zwölf Jahren mit Herdenschutzhunden blickt Schäfer Frank Kieslich aus Sachsen zurück. Trotzdem würde er lieber ohne Hunde seine Schafe hüten. Schließlich ist die Ausbildung der Hunde langwierig und zeitintensiv. Mit zwei bis drei Jahren ist der Hund fertig ausgebildet. Welpen wachsen zwar mit den Althunden in der Herde auf, aber nicht jedes Tier entwickelt sich wunschgemäß und bringt manchmal mehr Probleme als Nutzen. "Auch das Umfeld, in dem die Tiere gehalten werden sollen, ist entscheidend“, sagt Kieslich. In Tourismusregionen, wo Fuß- oder Wanderwege das Einsatzgebiet der Hunde queren, sei es schwierig und Konflikte seien vorprogrammiert.

Das ist auch der Grund, warum Herdenschutzhunde für die Schäfer Carl Wilhelm Kuhlmann aus Niederohe und Peter Hinnerk Tewes aus Schmarbeck keine Alternative sind. "Das Risiko, dass ein Mensch zu Schaden kommt, kann ich nicht tragen", sagt Tewes. Schließlich würden die Hunde ja nicht nur Wölfe angreifen, die sich dem Pferch nähern, sondern auch Menschen und andere Hunde. "In der Heide sind viele Touristen, Jogger, Radfahrer oder Leute mit ihren Hunden unterwegs – das ist zu gefährlich", sagt Kuhlmann. "Grundsätzlich kann das mit den Herdenschutzhunden ein Weg sein, aber ich möchte das Risiko nicht tragen."

Erschwerend kommt hinzu, dass in der Tierschutz-Hundeverordnung die speziellen Bedürfnisse, die mit der Haltung von Herdenschutzhunden einhergehen, nicht berücksichtigt sind. Sie dürfen nach der jetzigen Rechtslage gar nicht hinter stromführenden Zäunen eingesetzt werden.

Von Christopher Menge und Anne Friesenborg