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Celle Stadt Schauspieler Gregor Eckert gibt mit „Gestatten, Mark Twain“ Einblick ins Leben des Autors
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schauspieler Gregor Eckert gibt mit „Gestatten, Mark Twain“ Einblick ins Leben des Autors
13:00 10.11.2010
Weißer Anzug, Schnauzbart, graues Haar: Gregor Eckert schlüpft stilecht in die Rolle Mark Twains. Quelle: Aneka Schult
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„Gestatten, Mark Twain. Ich kam im Jahre 1835 zur Erde, zur gleichen Zeit, wie Halleys Komet. Im nächsten Jahr wird dieser zur Erde zurückkehren. Ich rechne damit, mit ihm gemeinsam auch wieder verschwinden zu dürfen.“ Sein Wunsch wurde erhört. Der Komet passierte die Erde am 20. April 1910. Am 21. April starb Twain in seinem Bett. Es ist also auch sein 100. Todesjahr.

So schicksalhaft sich die Episode darstellt, so wundersam verlief Twains gesamtes Leben. Ein Grund mehr, sich die kuriose Person vorzuknöpfen, was der Pfullendorfer Schauspieler und Kabarettist Gregor Eckert tut. Ausgesprochen authentisch, sehr einfühlsam und abseits ausgetretener Pfade. Mit Leidenschaft und Augenzwinkern spaziert er durch das reiche, bunte Leben des Humoristen und Schöpfers berühmter Werke wie „Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn“. Die Fülle an Anekdoten, spitzzüngigen Zitaten und biografischen Daten ist enorm.

Um so erstaunlicher, dass Eckert sich sicher in Twains Haut bewegt. Er erzählt von der Zeit als Schriftsetzer, Lotse auf einem Mississippidampfer, Goldgräber, Zeitungsreporter, Unternehmer, Verleger, Literat und Weltenbummler. Mark Twain bedeute übrigens „Zwei Faden sicheres Wasser“ in der Lotsensprache und wirklich habe sich Twain sein Leben lang zwischen sicherem und gefährlichem Fahrwasser bewegt. Immer wieder steckt Eckert sich eine Don Diego an und gönnt sich einen Schluck Western Gold. Twain war ein Genussmensch, ließ nichts aus. Schauspielerisch stark, mit gebrochener Stimme, reist Eckert mit Samuel Langhorne Clemens nach Europa, mockiert sich über die deutsche Sprache als Produkt eines Wahnsinnigen, erlebt in Paris verblüfft den Can-Can und als Sekundant ein französisches Duell. Er spielt den Huckleberry Finn umtriebig jung und verwandelt sich in imaginäre Gesprächspartner einzelner Episoden. Schließlich muss er schwere Schicksalsschläge, Finanzmiseren, den Tod der Frau und drei seiner vier Kinder ertragen. Dass Twain humoristische Vorträge hielt, als erster Entertainer, gar Stand-up-Comedian gilt – entstaubt Eckert ebenso wie die gesamte Biografie. Ein lebendiger Einblick in Twains Lebens- und Gedankenwelt.

Von Aneka Schult