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Celle Stadt Schauspieler mit höchster Konzentration bei der Sache
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schauspieler mit höchster Konzentration bei der Sache
13:42 24.03.2017
Mit Freude bei den Proben des Stückes „Die Zeitung“ dabei: (von links)Irene Benedict, Philip Leenders, Ulrich Gall, Thomas Wenzel und Verena Saake. Quelle: Sarah Pertermann
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Andreas Döring hat das Stück entwickelt und Harald Wolff übernahm in Kooperation mit der Celleschen Zeitung die notwendigen Recherchen. Der Regisseur Eberhard Köhler ist dem Celler Theaterpublikum noch aus Ferdinand von Schirachs Gerichtsdrama „Terror“ in bester Erinnerung.

Jetzt steht er auf der Probenbühne der Halle 19, verfolgt aufmerksam die choreografische Probenarbeit der Petersburger Choreografin Darya Barabanova mit dem Schauspieler Thomas Wenzel, lobt, korrigiert und gibt Anregungen. Noch sind es rund zwei Wochen bis zur Premiere, aber Aufgeregtheiten oder gar Hektik bleiben Fehlanzeige. Im Gegenteil – es herrscht eine ruhige, freundliche und klare Arbeitsatmosphäre, in der alle mit höchster Konzentration bei der Sache sind. Dabei ist das, was Wenzel auf einem großen Holzkasten leisten muss, tänzerisch immer wieder korrigiert und verbessert, körperlich anstrengend. Aber davon merkt man kaum etwas. Im Gegenteil, fast spürt man so etwas wie Freude, dabei sein zu dürfen und seine eigene Leistung ständig zu komplettieren. Das gilt auch, als später mit Irene Benedict, Verena Saake, Ulrich Gall und Philip Leenders die anderen Schauspieler für szenische Proben hinzukommen.

„Es gibt verschiedene Zeitebenen in dem Uraufführungstext,“ sagt Eberhard Köhler, „mit einem Haupthandlungsstrang, der in einer nicht sehr fernen Zukunft spielt. In dieser Zeit ist die Zeitung nicht mehr auf Papier gedruckt. Es gibt sie noch als individuell zugeschnittene Online-Anwendung. Die Firmentradition ist durch diese Entwicklung im Begriff, sich aufzulösen. Aus dieser Zukunftsebene gibt es punktuelle „Bohrungen“ in verschiedene Ebenen der Vergangenheit vom Zeitpunkt der Gründung der Celleschen Zeitung 1817 über Episoden im deutschen Kaiserreich bis hin in die Nachkriegszeit.“ Die Haltung sei eher forschend und untersuchend als von einem besserwisserischen Standpunkt aus. Als durchgehende Fragestellung gäbe es den Widerspruch, eine Zeitung einerseits als kommerzielles Unternehmen zu führen, oder andererseits mit der Zielsetzung eines demokratischen Informationsanspruches. Insgesamt basiere das Stück komplett auf realen Vorkommnissen, betont Andreas Döring und Eberhard Köhler ergänzt: „Da, wo wir sie in die Theatralik verfremdet haben und keine historische Absicherung besteht, bekommt das Stück märchenhafte, mythologische Züge.“

Von Hartmut Jakubowsky