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Celle Stadt Schauspielerin Sibille Helfenberger über Karriere, Familie und das Einparken
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schauspielerin Sibille Helfenberger über Karriere, Familie und das Einparken
17:47 07.03.2012
Interview mit Schauspielerin Sibille Helfenberger Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
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Ist die Gleichberechtigung im Theaterbereich weiter als auf anderen Gebieten oder müsste man Frauentage zu einer Dauereinrichtung machen?

Ich glaube nicht, dass das an Theatern anders ist als in anderen Berufen. Frauen kriegen oft immer noch eine geringere Gage als Männer. Und manchmal habe ich den Eindruck, dass Frauen aus Angst, dass sie nicht mehr engagiert werden oder der Regisseur nicht mehr mit ihnen arbeitet, mehr mit sich machen lassen als Männer. Allerdings ist Theater auch immer ein Miteinander und lebt vom Gespräch. Da gelten weibliche Meinungen genauso viel wie männliche. Vielleicht sind wir da weiter als andere Bereiche.

Wie schwer ist es für eine junge Schauspielerin, eine Stelle an einem Theater zu kriegen?

Wenn man das Ziel hat, eine feste Stelle zu kriegen, ist das für Frauen viel schwerer. Das liegt zum Teil aber auch daran, dass im Theater in der Regel mehr Männer gebraucht werden, weil es mehr Männerrollen gibt. Bei Shakespeare zum Beispiel durften Frauen ja gar nicht auf die Bühne. Das klassische Verhältnis zwischen Männern und Frauen liegt heutzutage bei drei zu eins. Da ist Celle durchaus eine Ausnahme. Hier sind wir mit den Musikern zusammen je zur Hälfte angestellt.

Können Männer leichter Karriere machen und sich beispielsweise als Regisseur bewerben?

Das kann ich nicht genau beurteilen. Es ist aber wohl so, dass sich für den Regiebereich aus der Literatur- und Kunstwissenschaft oder ähnlichen geisteswissenschaftlichen Fächern viel mehr Frauen bewerben, um auf diese Weise einen Einstieg in die Theaterwelt zu bekommen. Da sind die Männer in der Minderheit. Bei Intendanten ist das genau umgekehrt. Das sind meistens Männer. Da ist die Frauenquote verbesserungswürdig, obwohl gerade in den Geisteswissenschaften Frauen ja genauso qualifiziert sind wie Männer. Und was Karrieren betrifft, da gibt es ja genügend gängige Klischees, die jeder kennt.

Männer lassen sich von Frauen ja nicht so gerne was sagen. Haben es Regisseurinnen schwerer bei ihrer Arbeit?

Ich habe es schon erlebt, dass insbesondere ältere, gestandene Schauspieler, die schon lange im Beruf sind, sich nicht gerne etwas von einer jungen Regisseurin sagen lassen. Bei reinen Frauenproduktionen habe ich solche Schwierigkeiten oder sogar „Zickenkämpfe“ noch nie erlebt. Bei reinen Männerproduktionen gibt es da schon öfter eine gewisse Aggressivität. Aber letztlich muss sich auch ein Mann fügen und führen lassen, weil es ja eine Zusammenarbeit ist.

Könnten Sie es sich vorstellen, irgendwann ihren Schauspielerberuf aufzugeben und nur Hausfrau und Mutter zu sein?

Das ist schwer. Da fängt das Problem an. Wie vereinbart man diesen Beruf damit, eine Beziehung zu führen, gleichzeitig Kinder groß zu ziehen und am Theater zu arbeiten. Da braucht man auch den richtigen Partner, der Verständnis für den Beruf hat. Aber es gibt ja immer wieder Frauen, die das irgendwie schaffen.

Frau Helfenberger, können Sie rückwärts einparken?

(lacht) Ich bin eine miserable Autofahrerin.

Von Hartmut Jakubowsky