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Celle Stadt Schieblers Baumschule in Celle: Genauso bedeutend wie Thaers Erbe?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schieblers Baumschule in Celle: Genauso bedeutend wie Thaers Erbe?
16:34 14.10.2016
Celle Stadt

"Dabei hat Johann Ludwigs Schiebler die Kartoffel nach Celle gebracht und versucht hier Tabak anzubauen", betont Laura Lodolo, die eine Bachelorarbeit im Fach Landschaftsarchitektur über die Geschichte des Celler Grünbetriebes verfasst hat. Denn dessen Grundstein legte Schiebler im Jahr 1775.

Zuvor genoss er seine Ausbildung in den Gärten Friedrichs des Großen. Prinz Ernst von Mecklenburg-Strelitz holte Schiebler nach Celle und ließ sich 1766 einen Garten "Im Rolande" anlegen, dessen heute noch vorhandene Teile den Namen Prinzengarten beibehalten haben. "Als der Prinz Celle verließ, wurde Johann Ludwig Schiebler aufgefordert eine Handelsgärtnerei zu gründen", schreibt Hendrik Altmann auf seinem Heimatblog.

Die Nachfahren von Johann Ludwig Schiebler experimentierten mit verschiedenen Neuzüchtungen: Diese waren zum Beispiel: „Schieblers Morgenröte“ (eine Maierbse), „Schieblers neue Zuckerrunkel“ (eine Stangenbohne), „Schieblers rote Eierpflaume“ und „Schieblers Taubenapfel“. Der Katalog der Baumschule umfasste 1834 130 Apfel- und 50 Birnensorten. "140 Jahre lang gab es den Familienbetrieb der Schieblers, bis 1916 aus den Überresten das Stadtgartenamt entstand", berichtet Lodolo.

Im Gegensatz zu Schiebler ist sein Zeitgenosse Albrecht Thaer im Celler Stadtbild omnipräsent. Von ihm zeugt noch ein Denkmal, ein Herrenhaus oder auch der Name der Berufsbildenden Schulen III. An den Namen Schiebler erinnern nur noch die "Schieblerstraße" am Stadtfriedhof, "An der Baumschule" in Vorwerk, der alte Pavillon im Heilpflanzengarten und ein verrotteter Privatfriedhof entlang der ICE-Strecke in Vorwerk.

Auch die Studentin hat sich von Hannover aus in Celle auf Spurensuche begeben, im Stadtarchiv recherchiert, elf ehemalige und derzeitige Mitarbeiter des Grünbetriebs zu Hause interviewt und den verwitterten Friedhof besucht: Übrig sind noch ein paar umgekippte Grabsteine, über die eine dicke Schicht Moos wächst. Es ist lange her, dass hier jemand Kerzen aufgestellt hat. Stattdessen haben sich die Überreste einer Mikrowelle und eines Korbstuhles angesammelt. Die 25-Jährige hat eine Erklärung dafür, warum Familie Schiebler in Vergessenheit geraten ist: "Albrecht Thaer hatte zwar weniger Land, hat aber mehr geforscht. Schieblers betrieben ihren Anbau eher aus wirtschaftlichem Interesse und das wird meist nicht so gewürdigt."

Auch beim Grünflächenamt ist der Zustand der Grabsteine auf dem Privatgrundstück bekannt. "Die Situation ist zu bedauern und auch einem historischen Gedenken an den ehemaligen Baumschulbetrieb Schiebler nicht angemessen. Nachforschungen zu eventuellen Nachkommen waren bisher nach meinem Kenntnisstand erfolglos", erklärt Fachbereichsleiter Jens Hanssen. Da der Kundenstamm der Schieblers weit über die Celler Stadtgrenzen hinaus reichte, würde Hanssen es befürworten, wenn es gelänge, die Grabstätten in angemessener Form wieder herzurichten – doch der Stadt fehle dafür das Geld.

Von Dagny Rößler