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Celle Stadt Schlechte Noten für Celler Hafen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schlechte Noten für Celler Hafen
10:35 03.06.2016
Von Gunther Meinrenken
Das ist zu steil. Sachverständiger Heiner Haass misst die Neigung der Slipanlage, die ein Gefälle von 15,5 Prozent aufweist. Da kommen sogar gestandene Skipper des Yacht-Clubs ins Schwitzen, wenn sie ihre Boote zu Wasser lassen wollen. Quelle: Benjamin Westhoff
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Die neue Slipanlage ist Teil des frisch sanierten Hafenbeckens. Erst vor ein paar Wochen hat die Stadt dieses Ereignis mit einem großen Fest gefeiert. Ein paar Tage später streift Heiner Haass über das Gelände. In seiner Hand eine Checkliste. Haass ist Sachverständiger für bauliche Anlagen der Sportschifffahrt, ist im Rahmen der Planungsvorbereitung der Anlagen tätig. Insgesamt hat sein Büro schon 120 Projekte im In- und Ausland betreut, aktuell hat er die Planungen des Marina-Quartiers in Regensburg begleitet. Sein Urteil über den Celler Hafen: mangelhaft. Von insgesamt 34 Punkten seien 22 im negativen Bereich.

Als gravierendsten Fehler macht Haass die Slipanlage aus. Mit Zollstock und Wasserwaage misst er nach. Ergebnis: Die Rampe hat ein Gefälle von etwa 15,5 Grad. In Haass' Augen, der 6 Prozent empfiehlt, ist die neue Anlage viel zu steil. Sein Rat: "Eigentlich müsste man die abreißen und neu bauen."

Die Mängelliste von Haass geht noch weiter. Die östliche Freitreppe sei nicht barrierefrei, an beiden Treppenanlagen fehlten Geländer auch in der Mitte. Die Beleuchtung des gesamten Areals lasse zu wünschen übrig. An den Stegen fehlten ebenso Handläufe, außerdem verliefen am Boden in etwa 5 Zentimeter Höhe Metallrohre. Diese seien "echte Stolperfallen". Die Anzahl der angebrachten Rettungskästen sei zu gering und die Ausrichtung der Liegeplätze weiche um etwa 15 Prozent von der vorherrschenden Windrichtung Südwest ab. Bei heftigen Winden könnten die Boote beschädigt werden.

Was Haass besonders ärgert. "Für einen Neubau ist das katastrophal und wäre nicht nötig gewesen, zumal die Stadt durch mich vorher über die wesentlichen Notwendigkeiten informiert war", behauptet Haass. Denn vor ein paar Jahren habe die Stadt die Grundlagen einer Hafenplanung bei ihm abgefragt. "Damals habe ich für die Rampe 7 bis 9 Prozent Gefälle empfohlen", sagt er.

Im Neuen Rathaus macht man geltend, bei der Sanierung des Hafens die entsprechende Richtlinie des Bundesverkehrsministeriums eingehalten zu haben. Darin seien für Rampen 12,5 bis 20 Prozent Neigung angegeben. Dieses Gefälle sei landauf, landab in Niedersachsen üblich. Außerdem würden die meisten Boote des Yacht-Clubs mit einem Kran zu Wasser gelassen. Haass bestätigt die Existenz dieser Richtlinie. Seit Jahren würde er sich hier für eine Änderung der Neigung einsetzen.

Nach der Richtlinie seien ferner Geländer auf Stegen nicht vorgesehen. Die Metallrohre, die "Stolperfallen", würden zumindest im Übergang zu den kleineren Stegen vom Yacht-Club zurückgebaut. Handläufe an den Freitreppen seien vorhanden, so die Stadt und meint die am Rand der Anlage. Zudem würden einige Restarbeiten noch folgen. So würden weitere Straßenlaternen aufgestellt, die für eine bessere Ausleuchtung sorgen würden.

Die Stadt betont, dass die Planung und Umsetzung der Sanierung "unter enger Beteiligung der Nutzer durchgeführt wurde". Der Yacht-Club wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Aus dem Umfeld hieß es allerdings, dass gerade die starke Neigung der Rampe von den Hobbykapitänen kritisiert worden sei.