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Celle Stadt Schlecker schließt drei Märkte in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schlecker schließt drei Märkte in Celle
15:42 15.12.2011
Von Oliver Gatz
Schlecker schlieflt drei M‰rkte in Celle - hier die Filiale in der Schuhstrafle. Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

Der Schock saß tief, als die Mitarbeiter plötzlich vor verschlossenen Türen standen. Zum Wochenbeginn hatte die Drogeriekette Schlecker drei Celler Filialen geschlossen: in der Windmühlenstraße, in der Schuhstraße und der Blumlage.

Zwar war bekannt, dass Schlecker etliche Läden schließen würde. Aber wie das Ganze in Celle gelaufen ist, bringt die Gewerkschaft ver.di auf die Palme. „Das ging hopphopp ohne Beteiligung der Betriebsräte", kritisierte Rainer Knake, der bei ver.di für den Bereich Lüneburger Heide zuständig ist. „Man hat sich nicht an Absprachen gehalten." Das bestätigte auch die Betriebsratsvorsitzende der Celler Schlecker-Märkte, Michaela Krappig. „Die Schließung der Filiale in der Windmühlenstraße stand überhaupt nicht zur Debatte", sagte sie.

Knakes Angaben zufolge wollte der Celler Betriebsrat einen Interessenausgleich und Sozialplan mit Schlecker vereinbaren. Doch darauf habe sich die Geschäftsführung nicht eingelassen. Nach der Schließung der Märkte hatte deshalb der Betriebsrat eine Kanzlei damit beauftragt, eine einstweilige Verfügung gegen den Konzern beim Amtsgericht Celle zu beantragen. „Die haben wir durchgekriegt", freute sich Knake. Die Entscheidung fiel am Donnerstag.

Das heißt: Schlecker muss mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und Sozialplan verhandeln. Bis zu einer einvernehmlichen Lösung darf der Konzern nach Krappigs Angaben den Mitarbeitern weder kündigen noch sie versetzen. Nach der Schließung der drei Celler Märkte unterhält Schlecker im Landkreis nur noch ein Geschäft in der Celler Zugbrückenstraße und in Eschede.

Die Fenster der geschlossenen Filialen wurden von innen mit Papier beklebt, damit Passanten nicht sehen können, was dort passiert, berichtete Krappig weiter. Nun müssten die Mitarbeiter in Räumen ohne Tageslicht Ware für andere Filialen verpacken. Diese Arbeitsbedingungen hält Krappig für „menschenunwürdig". Die Pakete gingen an Märkte von Ihr Platz und Schlecker XL.

Wie der „Spiegel" berichtete, steht Schlecker vor größeren Finanzproblemen als bisher angenommen. Allein im November und Dezember habe die Drogeriekette 600 Filialen geschlossen, hieß es. Es treffe zu, dass defizitäre Läden weiterhin zugemacht würden, sagte ein Konzernsprecher. Dieser Prozess solle bis Ende des ersten Quartals 2012 abgeschlossen sein. Die Schließungen und die Umverteilung der Ware seien Teil der laufenden Restrukturierung. Die neuen oder renovierten Läden liefen hervorragend.

Nach früheren Aussagen schriebt Schlecker seit 2008 rote Zahlen und rechnet auch für dieses Jahr wieder mit einem Verlust. Im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz um rund 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken.