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Celle Stadt Schlosskapelle wird zur Hauptsache des Abends
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schlosskapelle wird zur Hauptsache des Abends
13:40 23.08.2017
Das Konzert des Ensemble Musica Andretta bildeten den Abschluss der diesjährigen Reihe „Bilderklänge“. Quelle: David Borghoff
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Das Kirchenschiff war bestens gefüllt mit Interessenten an der Musik oder an den Bildern von der Ausstattung der Celler Schlosskapelle. Diese ist ein wahres künstlerisches und historisches Kleinod, das wegen eines Restausrationsfehlers im vergangenen Jahrhundert bedauerlicherweise nicht mehr für das allgemeine Publikum zugänglich ist. Schmieglitz-Otten und Stier setzen sich schon lange dafür ein, dass dieses wunderbar malerisch ausgestaltete Bauwerk nicht in Vergessenheit gerät oder gar ganz aus dem Bewusstsein der Celler verschwindet. Möglicherweise wird es im Herbst kurz möglich sein, diese Kapelle ohne die zur Zeit bestehende Glasabtrennung zu besichtigen. Man darf gespannt sein, wie, wann und für wie lange dies eventuell möglich wird. Dann wird man Malereien bestaunen können, die nicht nur geistliche Themen auf höchstem Niveau aufgreifen, sondern auch weltliches Leben der Barockzeit widerspiegeln.

Der Celler Fotograf Ulrich Loeper hat großartige Fotos der Kapelle gemacht. Zu sehen sind diese in einer Ausstellung im Celler Schloss und teilweise konnten sie in enormer Vergrößerung im Rahmen dieses Konzerts als Hintergrund für die Klänge des Alte-Musik-Ensembles „Musica Andretta“ erlebt werden. Sie transportieren dabei mehr als nur oberflächliche Eindrücke aus der Schlosskapelle: Die Vergrößerungen zeigen die Qualitäten der Ausmalung dieses Raumes auf und lassen die Lust der Maler am sinnenfrohen Gestalten beim Betrachter nachvollziehbar werden. So wird die Schlosskapelle zur Hauptsache des Abends.

Dem gegenüber blieben die musikalischen Beiträge des Abends leider zweitrangig. Das Ensemble „Musica Andretta“ erwies sich als eine Gruppierung, die zwar immer den Ausdruck sucht, diesen aber nicht immer findet, was zumindest teilweise mit technischen Problemen zusammen hängt. Wenn man, wie die Mezzosopranistin, immer wieder unsauber singt oder, wie den Spieler des Zinks, mehr als einmal der schweren Spielbarkeit des Instruments hörbaren Tribut zollen muss, dann kann nur ein bedingter Hörgenuss entstehen. Und: Die Kombination der Musik mit den Bildern wirkte fast durchgehend beliebig. Dem Publikum hat der Kulturabend trotzdem weitgehend gut gefallen.

Von Reinald Hanke