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Celle Stadt Schlosstheater Celle: Hanna stellt Gretchenfrage
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schlosstheater Celle: Hanna stellt Gretchenfrage
11:43 22.09.2016
Johanna von Gutzeit hat das Stück „Hanna will es wissen“ geschrieben und sie spielt auch selbst mit. Quelle: Sarah Pertermann
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Religion spielt in Hannas Leben bisher keine Rolle. „Unbeleckt“ ist sie bisher in einer Familie aufgewachsen, die zwar Regeln aber keinen Bezug zu einer Glaubensrichtung aufstellt. Seit sie die Schule besucht, wird sie allerdings immer wieder mit Religionszugehörigkeiten und dem darauf basierenden Verhalten ihrer Mitschüler konfrontiert. Auch sonst scheint das Thema Religion die Menschen zu beschäftigen. Hanna macht sich auf, der Sache Religion mal auf den Grund zu gehen.

Schauspielerin Johanna von Gutzeit hat diese neutrale, kindlich-naive Unwissenheit als Ausgangspunkt genommen und sich auf Informations- und Antwortsuche gemacht. Entstanden ist daraus ein ganz spezielles Recherche-Theaterstück, mit und für Kinder – und für alle, die es wissen wollen. Also was sind Religionen? Wozu sind sie da? Wen fragt man am besten und wer kennt sich aus? Hanna begibt sich in ihrer Heimatstadt Celle auf Spurensuche, ihrem eigenen Forschungsprojekt.

„Mich hat an diesem Projekt dieser Ansatz von Neugier ohne Vorurteil gereizt“, so Johanna von Gutzeit, Mitglied des Schlosstheaterensembles. „Es gibt ja nicht nur Unterschiede, sondern es ist auch einiges gleich. Da geht es um das Verstehen wollen und neutrale Information – ganz offen und unbefangen Fragen zu stellen – eben wie ein Kind.“ So hat sie als erstes die Leute auf der Straße gefragt „Hast du einen Glauben – warum – und was ist dir daran wichtig?“ Sie fragt Menschen nach ihrer persönlichen Glaubensbeziehungen, aber auch „Profis“, Vertreter und Gelehrte der unterschiedlichen Religionen – was ist christlich, ezidisch, jüdisch, was glauben Muslime oder Buddhisten? Und sie hat dabei gefilmt – Videos, die einen wesentlichen Teil zum Stück beitragen.

Und das Fazit ihrer Arbeit? „Man redet viel zu oft übereinander, statt miteinander. Und niemand ist ganz ohne Zweifel, auch weil es nicht wirklich alles zu wissen gibt. Dort setzt das Herz, das Gefühl, auch die Sehnsucht ein, eben eine Überzeugung aus Glauben. Viele Leute meinen, sie hätten mit Religion nichts zu tun. Aber ganze Gesellschaftsstrukturen basieren auf religiösen Vorstellungen und Regeln. Auch die modernen Menschen suchen Antworten, die könnte eine Religionszugehörigkeit geben, aber es gibt auch viele Surrogate, die statt dessen geschaffen werden. Letztlich sucht jeder nach dem Gefühl aufgefangen zu sein, einer Zugehörigkeit. Das scheint mir ein Grundbedürfnis. Leider ist so viel, was ein echtes Angebot sein könnte, so negativ belastet – meist auch durch Unwissenheit.“

Wer es also wissen will, wie Hanna, der kann ab Donnerstag, 29. September, bei „Hanna will es wissen“, um 16 Uhr auf der Turmbühne des Celler Schlosstheaters, mehr von dem erfahren, was Hanna auf ihrer Suche nach Antworten entdeckt hat. Empfohlen ab 8 Jahren – und für Neugierige allen Alters.

Von Doris Hennies