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Celle Stadt Schlosstheater-Premiere von „Das wilde Fest“ in der Kleinen Residenzhalle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schlosstheater-Premiere von „Das wilde Fest“ in der Kleinen Residenzhalle
16:22 07.11.2010
Szenenfotos Das wilde Fest Flotter Dreier mit Musik - Katzenjammer hat wenig Fallhöhe - Schlosstheater-Premiere von „Das wilde Fest“ in der Kleinen Residenzhalle - Entertainment a la 20er Jahre präsentiert das Celler Schlosstheater in der Kleinen Residenzhalle: „Das wilde Fest“ von Joseph Moncure March hatte Premiere. Die Inszenierung gelang recht flott, war aber kein „Tanz auf dem Vulkan“. - Von Jörg Worat - CELLE. „Von den Schultern rutschende Spaghettiträger / kein Halten mehr, es wurde schräger und schräger …“ Kein Zweifel: „Das wilde Fest“ ist in vollem Gange. Das Schlosstheater zeigte in der Kleinen Residenzhalle eine Bühnenfassung des Langgedichts von Joseph Moncure March. Und ließ dabei die 20er Jahre wieder aufleben. - Das Publikum sieht in Lars Werneckes Inszenierung allerdings keinerlei Spaghettiträger rutschen, auch fliegen die Fäuste nicht wirklich, und schon gar nicht gehen Männlein und Weiblein kreuzweise heftigst miteinander in den Clinch: Von diesen und vielen anderen Dingen wird lediglich berichtet. Das übernehmen drei Akteure, die zu Beginn in Birgit Botts wunderbar chaotischem Bühnenbild – inklusive Wäschestück im Kronleuchter – zu erwachen scheinen und die Ereignisse der vergangenen Nacht rekapitulieren. - Ein reiner Erzählabend ist gleichwohl nicht angesagt, denn das Trio gibt mancherlei Gesänge zum Besten, das eine oder andere Tänzchen wird gewagt, und wenn es darum geht, die Partybesucher zu skizzieren, schlüpfen die Protagonisten schon mal in deren Rollen. Man will sie sich ja vorstellen können: die Gastgeber Queenie und Burrs, das Luder Kate, den etwas tumben Black, den noch viel tumberen Eddie, die blutjunge Nadine und wie sie alle heißen. - Offenbar sind bei all diesen lieben Menschen unter zunehmendem Alkoholeinfluss die Hemmungen mehr oder minder gründlich gefallen – es hat seine Gründe, dass die Nachbarn mit der Polizei gedroht haben. Kurz, wir erleben hier die Schilderung einer Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
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„Von den Schultern rutschende Spaghettiträger / kein Halten mehr, es wurde schräger und schräger …“ Kein Zweifel: „Das wilde Fest“ ist in vollem Gange. Das Schlosstheater zeigte in der Kleinen Residenzhalle eine Bühnenfassung des Langgedichts von Joseph Moncure March. Und ließ dabei die 20er Jahre wieder aufleben.

Das Publikum sieht in Lars Werneckes Inszenierung allerdings keinerlei Spaghettiträger rutschen, auch fliegen die Fäuste nicht wirklich, und schon gar nicht gehen Männlein und Weiblein kreuzweise heftigst miteinander in den Clinch: Von diesen und vielen anderen Dingen wird lediglich berichtet. Das übernehmen drei Akteure, die zu Beginn in Birgit Botts wunderbar chaotischem Bühnenbild – inklusive Wäschestück im Kronleuchter – zu erwachen scheinen und die Ereignisse der vergangenen Nacht rekapitulieren.

Ein reiner Erzählabend ist gleichwohl nicht angesagt, denn das Trio gibt mancherlei Gesänge zum Besten, das eine oder andere Tänzchen wird gewagt, und wenn es darum geht, die Partybesucher zu skizzieren, schlüpfen die Protagonisten schon mal in deren Rollen. Man will sie sich ja vorstellen können: die Gastgeber Queenie und Burrs, das Luder Kate, den etwas tumben Black, den noch viel tumberen Eddie, die blutjunge Nadine und wie sie alle heißen.

Offenbar sind bei all diesen lieben Menschen unter zunehmendem Alkoholeinfluss die Hemmungen mehr oder minder gründlich gefallen – es hat seine Gründe, dass die Nachbarn mit der Polizei gedroht haben. Kurz, wir erleben hier die Schilderung einer Orgie, die durchaus ihre kuriosen und komischen Züge hat, wirken die Figuren doch zumindest streckenweise höchst amüsant, auch und gerade, wenn sie sich völlig unterbelichtet gebärden.

Dazu erklingen Musiktitel von „Let’s misbehave“ bis „Sweet Adeline“ in Interpretationen, die mal mehr, mal weniger überzeugen können. Die Akteure ergänzen sich gut. Stefanie Lanius gibt hier die Kokette, lässt dort das Biest raushängen, phrasiert den Text stimmig und setzt bei den Pointen einige blitzsaubere Punktlandungen. Ulrich Jokiel besticht mit seinem Klavierspiel und ist als Darsteller mehr für die finsteren Töne zuständig – zu Beginn überschreitet seine etwas knurrige Artikulation allerdings vereinzelt die Grenze zur Unverständlichkeit. Einige Gesangsbeiträge von Ingo Brosch gehören zu den Höhepunkten des Abends, und der Darsteller kommt sehr dynamisch daher, jedoch wirkt seine grundsympathische Ausstrahlung zuweilen ein wenig arg unverbindlich.

Was man wiederum als konsequent bezeichnen kann. Im Programmfolder wird die Aufführung als „Flotter Dreier mit Musik“ beworben – und genau das ist sie auch. Auf der Strecke bleibt dabei weitgehend das Fiebrige, Abgründige der Szenerie, weshalb der große Katzenjammer zum Abschluss auch keine große Fallhöhe aufweist. Fazit also: Wer auf solide bis fetzige Unterhaltung steht, kann an diesem „Wilden Fest“ seine Freude haben. Ein echter „Tanz auf dem Vulkan“ ist der Abend aber nicht.

Von Jörg Worat