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Celle Stadt Schlosstheater präsentiert „Schokoladenmädchen“ bei Kronjuwelen-Reihe
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schlosstheater präsentiert „Schokoladenmädchen“ bei Kronjuwelen-Reihe
22:28 05.11.2010
Stürmisches und kraftvolles „Schokoladenmädchen“: Gabriela Lindlova und André Flemming (links) und Benjamin Westhoff (rechts) treten mit ihrem Programm „La vie en chocolat“ in Kunst & Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Schokoladenmädchen. Ein süßer Name, mit dem die „Kronjuwelen“-Akteure des Celler Schlosstheaters in Kunst & Bühne auftraten. Es war irgendwann zwischen 1743 und 1745, als in Wien das berühmte Werk des Genfer Pastell- und Emailmalers Jean-Étienne Liotard entstand. Die adrett gekleidete „La Belle Chocolatière“ und die Formation Schokoladenmädchen, die im Frühjahr bei einem Konzert in Freiburg im Breisgau zusammenfand – welch Bruch. Mit Gabriela Lindlova, Ensemblemitglied am Celler Schlosstheater und Jazzsängerin, sowie André Flemming an der Gitarre (unter anderem Frontsänger der Band „Rauschband“) und anstelle von Christian Locher Regieassistent Benjamin Westhoff am Schlagzeug diktierte nicht eine zurückhaltende Tablettträgerin mit Schürze und Spitzenhäubchen das Geschehen, sondern dunkler Ton und stürmische Kraft.

Mit überwiegend selbst geschriebenen und komponierten Songs bewegten sich die drei Musiker in ihrem Programm „La vie en chocolat“ zwischen Jazz, Pop, Rock, Independent und Chansons, in englischer Sprache, vereinzelt auf Französisch und Deutsch. Besonders Lindlova zeigte einmal mehr, warum sie jüngst in Moritz Rinkes „Nibelungen“ von Regisseur Kalle Kubik die Brünhild spielen musste. Ihre volle, dunkle und heikle Höhen erklimmende Stimme hält gefangen. Die kompromisslose Energie, vom Leib geschriene Inbrunst, und, wie in dem deutschen „Oh Mama“, düster- melancholische Poesie vermag auch dort dramatisch zu packen, wo manch einer sich an stimmlichen Fallhöhen die Beine bricht. Trotz der männlichen Überbesetzung und Solo-Parts von Flemming an der E-Gitarre, zog die unbezwingbare Power – ein eigentlich verbrauchtes englisches Wort –, besser bissige Bauchkraft Lindlovas die Gäste in den Bann. Mit ihrer kess-kühlen, kindlichen wie „kriegerischen“ Art drückt sie der Band einen markanten Stempel auf. Schwarz als Outfit der Musiker so wie Metaphern des abgründig lichtlosen Grau, gar das französische „Noire“ bestimmen als Protagonisten die Stücke „Grey“, „An Tagen wie diesen“, „Chat noir“, „It’s been a long time“ oder „Searching for the light“. Auch Lindlovas Jack Russell-Hündin „Mika“ spielte, als Schokodämchen „gekleidet“, eine Nebenrolle. Ein wahrnehmungswürdiges Debüt. Song-Favorit: das französische „fille chocolat“, entstanden in einer Franzosen-WG beim Schokoladen-Fondue. Das Lied hatte Charme und Esprit, Genuss wie Hunger, Frechheit, Verspieltheit und Lindlova eine Stimme, so aufweckend dunkel wie ein starker Mokka.

Von Aneka Schult