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Celle Stadt Schmied verformt im Celler Landgestüt Hufeisen wie Gummi
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schmied verformt im Celler Landgestüt Hufeisen wie Gummi
18:11 27.07.2014
Schmied Manfred Sondermann (großes Bild) zeigt den Zuschauern, wie die Hufe eines Pferdes beschlagen werden. In seiner Schmiede (kleines Bild) zeigt er, wie aus alten Hufeisen verzierte Hufauskratzer gemacht werden. Quelle: Anne Friesenborg
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Mit einer langen Zange nimmt Hufschmied Manfred Sondermann ein glühendes, halbes Hufeisen aus der rund 1000 Grad Celsius heißen Glut und legt es auf einen Amboss. Der Schweiß rinnt ihm über das Gesicht. Mit gezielten Schlägen bearbeitet er das Metall, bis es sich verformt. Dann packt er das glühende Stück erneut ins Feuer, die Flammen fangen an zu lodern.

„Ich habe etwas Schwefel in die Glut getan, damit sie besser in Gang kommt und heißer wird“, erklärt der Hufschmied den interessierten Zuschauern. Dann schlägt er wieder auf das glühende Eisen ein. Diese Prozedur wiederholt er ein halbes Dutzend Mal. Mit einem kleinen Meißel stanzt er schließlich feine Muster in das Metall: Fertig ist der Huf-Auskratzer in Form eines Pferdekopfes.

Manfred Geitze aus dem Emsland, der zu Besuch bei seiner Familie in Celle war, beobachtete gespannt das Gehämmer des Hufschmieds und fühlte sich an seine Kindheit mit dem Großvater erinnert. „Das ist wie eine kleine Zeitreise für mich. Früher bin ich meinem Opa auf seinem Hof beim Beschlagen der Pferde zur Hand gegangen“, sagte der 76 Jahre alte Schlosser.

Seinen Enkel Max faszinierten am meisten die lodernden Flammen und das glühende Metall: „Es sieht so aus, als ob der Mann das Hufeisen wie Gummi verformen kann.“ Der Fünfjährige war so angetan, dass er sich – obwohl er mit Reiten ansonsten nichts am Hut hat – einen von Sundermann geschmiedeten Huf-Auskratzer mit nach Hause nahm.

Während die Hunderten Besuchern über das Gelände des Landgestüts am Ufer der Fuhse flanierten, sorgten nicht nur im Stile der Kaiserzeit Kostümierte, sondern auch die vierköpfige Gruppe der „Heideschnucken“ für historisches Flair. Im Schäferhemd und mit grünem Filzhut schmetterten die Musiker mit ihren hölzernen, vier Meter langen Alphörnern Lieder wie „Auf der Schafweide“ und „Petersgrad“ über das Gelände. „Die Lieder sind an alte Rufe in den Alpen angelehnt, die sich die Menschen von Berg zu Berg zugerufen haben“, erklärt Hans-Heinrich Bodenstedt.

„Wir wollen vor allem der Jugend die alten Handwerke, die immer mehr in Vergessenheit geraten, näher bringen. Dies ist uns jetzt zum zweiten Mal gut gelungen“, sagte Fred Müller vom Organisatoren-Team. Seine Kollegin Bettina Wedekind zog ebenfalls eine positive Bilanz – dieses Mal waren deutlich mehr Aussteller vertreten als bei der Premiere der Veranstaltung im vergangenen Jahr: „Mit nun 50 Ständen konnten wir uns um etwa die Hälfte steigern.“

Obwohl das Landgestüt nach der Mahnung des Landesrechnungshofes den Gürtel finanziell etwas enger schnallen muss, habe das keine Auswirkungen auf die Zukunft der Veranstaltung, so Müller. Den Erlös des „Tags des alten Handwerks“ spenden die Organisatoren vom Verein der Freunde und Mitarbeiter des Landgestüts Celle an die Jugend der Celler DLRG.

Von Kai Knoche