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Celle Stadt Schüler fühlen jungen Politikern auf den Zahn
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schüler fühlen jungen Politikern auf den Zahn
18:03 14.12.2017
Die Moderatoren Kai Thomsen (links) und Lena Kribbe (rechts) leiteten die Diskussion mit Jens-Christoph Brockmann (Junge Alternative), Yannick Tahn (Jusos), David Kuhls (Junge Liberale), Christian Ceyp (Junge Union). Quelle: Michael Schäfer
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„Ich leide unter unglaublicher Langeweile“, sagt ein Abiturient aus der letzten Reihe ins Mikrofon von Kai Thomsen. Die Antwort auf die Frage des Moderators, weshalb sich bis auf eine Schülerin niemand vorstellen könne, Mitglied in einer politischen Jugendorganisation zu werden, ist ironisch gemeint, soll heißen, der junge Mann hat im Moment einfach keine Zeit für derlei Aktivitäten. Allerdings spricht die Aussage wohl manchem der rund 130 Schüler zwischen 15 und 18 aus der Seele, was das augenblickliche Befinden angeht.

„Am Anfang war es doch recht schleppend“, lautet auch die Einschätzung von Sören Philipp Hinz zur Veranstaltung „Mitmischen. Jugend trifft Politik“ am Donnerstag in der CD-Kaserne. Vier Vertreter der Jugendorganisationen von SPD, CDU, FDP und AfD haben die nicht ganz leichte Aufgabe, über politische Partizipation in ihren Funktionen als Mitglieder der Nachwuchsvereinigungen zu berichten. Moderatorin und Schülerin des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums (KAV) Lena Kribbe lässt die vier Männer nicht eher das Mikrofon niederlegen, bis Fragen wie „Was sind Jugendorganisationen eigentlich?“, „Kommt von den Ideen der Jungen etwas oben an?“ oder „Wie werdet Ihr mit den Thesen, mit denen Ihr hier konfrontiert werdet umgehen?“ ausführlich beantwortet sind.

Das Motto des dritten Treffens aus der Reihe „Jugend trifft Politik“ der CD-Kaserne wird im Zuge dessen sehr gut umgesetzt. Den Schülern wird sehr anschaulich ein Eindruck von politischem Agieren und den dazugehörigen Themen vermittelt. „Bildung ist der Motor der Gesellschaft“, „kostenfreie Bildung ist durchaus die richtige Zielrichtung“ oder „man sollte zunächst an der Qualität arbeiten“ ist vom Podium herunter zu hören, als KAV-Schülerin Bianca eine von Schülern innerhalb eines großangelegten Projektes erarbeitete These, Bildung solle für alle kostenfrei sein, präsentiert. Die vier jungen Verantwortungsträger ihrer Organisationen beherrschen das „Politikerdeutsch“ sehr gut. Insgesamt kommen sie rüber wie ihre Mitstreiter aus den Mutterparteien. Die aktuellen großen Themen wie Große Koalition, Rente mit 63 oder Flüchtlinge reizen die Vier zur Kontroverse und fördern die bekannten Positionen zutage, innovative Ansätze bleiben aus.

Thomsen hat das Publikum indes im Blick, lockert mit witzigen Kommentaren auf oder aus der Reserve, versucht die Schüler mit einzubeziehen, was sich jedoch schwierig gestaltet. Immerhin fünf Zuhörer könnten sich vorstellen, einmal hinein zu schnuppern in diese Art von Parteiarbeit. Fragen oder auch Anmerkungen hat keiner der Jugendlichen, dennoch wird die Stimmung in der zweiten Hälfte deutlich besser. Sören Philipp Hinz hat seinen Favoriten des Podiums bereits ausgemacht, sicheres Auftreten und „ob er sympathisch rüberkommt“ sind seine Kriterien.

„Ich finde, solche Veranstaltungen sind sehr wichtig. Man bekommt einen Eindruck, wie Politik geht“, lautet das treffende Fazit des 18-Jährigen, das zur Verlängerung des vom Bundesprogramm „Demokratie leben“ geförderten Projektes passt. Auch im nächsten Jahr wird es drei Diskussionsrunden geben, möglicherweise in etwas veränderter Form, denn Thomsen ruft ausdrücklich auf, der CD-Kaserne ein Feedback zur aktuellen Veranstaltung zu geben.

Von Anke Schlicht