Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Schülerin wegen IS-Terrorattacke vor Celler Gericht
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schülerin wegen IS-Terrorattacke vor Celler Gericht
10:17 21.10.2016
Von Oliver Gatz
Massive Polizeipräsenz am Oberlandesgericht in Celle: Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen hat der Prozess gegen die jugendliche IS-Sympathisantin Safia S. begonnen. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Noch vor der Anklageverlesung wurde die Öffentlichkeit von dem Verfahren ausgeschlossen. Dieser Schritt sei im Interesse der Jugendlichen und des Heranwachsenden geboten, befand der Vorsitzende Richter Frank Rosenow. Der Schutz der Privatsphäre wiege schwerer als das große öffentliche Interesse angesichts des terroristischen Hintergrunds.

Die Bundesanwaltschaft wirft der Schülerin versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor. Die Ermittler werten die Attacke als geplante „Märtyrertat“ im Auftrag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Bluttat gilt als das erste vom IS motivierte Attentat in Deutschland. Nach dem Jugendstrafrecht drohen Safia bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Die zierliche Schülerin betrat den Hochsicherheitstrakt des Gerichts in einem langen grauen Strickkleid mit Kapuze. Sie wirkte zurückhaltend. Safia trug ein beiges Kopftuch und eine modische Brille mit dunklem Gestell. Rosenow war sichtlich bemüht, von Anfang an ein entspanntes Verhältnis zu Safia aufzubauen. Der Vorsitzende Richter und die Schülerin einigten sich darauf, dass Rosenow sie mit „Du“ ansprechen darf.

Laut ihres Anwalts Mutlu Günal kündigte Safia vor Gericht an, sich bei dem Polizisten auch persönlich entschuldigen zu wollen. Das hatte sie bereits in der Untersuchungshaft in Vechta in Form eines Briefes getan. Günal stellte infrage, ob Safia die Folgen ihrer Tat tatsächlich überblicken konnte: „Sie ist ein Kind.“

Laut Bundesanwaltschaft wurde Safia in einem islamistischen Sinn erzogen. Bereits mit sieben Jahren trat das Mädchen gemeinsam mit dem bekannten Salafistenprediger Pierre Vogel in Videos auf. Im Januar sei sie nach Istanbul gereist und habe Kontakt mit dem IS aufgenommen. Kurz vor ihrer Ausreise nach Syrien holte ihre Mutter sie zurück. In Deutschland soll Safia laut Anklage ihre Anschlagspläne vorangetrieben und konkretisiert haben. Den Kontakt zum IS habe sie aufrecht erhalten.

Safias mutmaßlicher Mitwisser, Mohamad Hasan K., ist ein kräftiger junger Mann, der vor Gericht in Jeans und Sweatshirt erschien – die Haare kurzgeschoren, der Bart ebenfalls. Die radikale Gesinnung sieht man dem 20-Jährigen nicht an. Dem Deutsch-Syrer drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft in der JVA Celle.

Gegen K. – ebenfalls wie Safia in Hannover geboren – laufen weitere Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, weil der 20-Jährige mit den angeblichen Terrorplänen zu tun haben könnte, die zur Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover im vergangenen November führten.