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Celle Stadt Schützen kämpfen gegen Vorbehalte
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schützen kämpfen gegen Vorbehalte
12:06 19.04.2013
So wie hier Dirk Naujok (links) und Michael Bartel vom Schützenverein Nienhagen - Kinder ihren Sport über Lichtpunktgewehre nahe bringen, würden es gern Vereine in - der Nachmittagsbetreuung machen. Doch sie müssen gegen Widerstände arbeiten.
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Die Schützenfestsaison beginnt heute in Diesten und „wir freuen uns, dass es jetzt wieder losgeht”, sagt Wilfried Ritzke, Vorsitzender des Kreisschützenverbandes Celle. Doch die Freude der rund 13.500 Schützen im Landkreis Celle abseits der Feste ist getrübt, denn ihnen wird ihr Hobby nicht leicht gemacht. Seit den Amokläufen wie in Winnenden und Erfurt stehen sie unter Generalverdacht. „Immer wieder werden die Sportschützen mit solchen Ereignissen in Verbindung gebracht, obwohl die damit nichts zu tun haben”, sagt Ritzke.

Dass die Aufbewahrung der Waffen seit einigen Jahren strenger überprüft werden und die Schützen dafür eine Gebühr bezahlen müssen, dafür haben viele sogar noch Verständnis, weil eine Waffe eben ein besonderes Sportgerät ist. Beanstandungen gab es im Landkreis Celle kaum. Bei 120 Kontrollen der rund 3000 Waffenbesitzer im Jahr wurden laut Kreisordnungsamtleiter Eckhart Ferg seit 2009 nur drei Verstöße bei der Aufbewahrung festgestellt.

Doch dass die Schützen bei der Ganztagsbetreuung an den Schulen ausgeschlossen werden, ist aus Sicht des Kreisvorsitzenden Ritzke völlig überzogen. „Es geht an den Schulen noch gar nicht um die Arbeit mit echten Waffen, sondern ausschließlich um Angebote mit Lichtpunktgewehren”, stellt Ritzke klar. Viele hätten offenbar Vorbehalte, sähen nicht den Sport, sondern nur die Waffe als Instrument zum Töten.

So auch das Niedersächsische Kultusministerium. „Die Ereignisse mit Amokschützen in den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass es nicht auszuschließen ist, dass sich neben den verantwortungsvoll mit Waffen umgehenden Sportschützen leider auch labile, problembeladene und gewaltbereite Jugendliche vom Angebot des Erlernens der Waffenhandhabung anziehen lassen”, sagte eine Sprecherin. Deshalb sei das Erlernen des Umgangs mit Waffen in Verantwortung der Schulen nicht genehmigungsfähig.

Doch Waffen, siehe oben, kommen zum Beispiel in der Grundschule Eschede überhaupt nicht zum Einsatz. Dort gibt es ein solches Angebot mit dem Lichtpunktgewehr und Schulleiterin Angela Rath ist sehr zufrieden und betont die positiven Lerneffekte und die langjährige Verbindung zu den Schützen (siehe Artikel unten) im Ort.

Wenn die Schützen aber an den Schulen keine Angebote machen können, fehlt ihnen ein Instrument der Mitgliederwerbung, denn natürlich sollen die jungen Leute für einen Sport begeistert werden. Das hat langfristig Auswirkungen auf das Dorfleben, denn unbestreitbar ist sicher, dass die Schützenvereine in den Orten im Celler Land neben den Feuerwehren eine wichtige soziale Funktion haben. Sie organisieren Feste, packen mit an und sorgen für Zusammenhalt. Doch die Nachwuchssorgen gibt es dort wie in allen anderen Vereinen auch. Im vergangenen Jahr verloren die Celler Schützen 130 Mitglieder. „Das hört sich zunächst mal wenig an, aber wenn das jedes Jahr so weiter geht, hat das natürlich Konsequenzen”, sagt Ritzke.

Das Beispiel der Grundschule Eschede zeigt, dass bei den Schülern durchaus Interesse besteht. „Sie sind begeistert und wir hätten viel mehr als nur die zwei Kurse mit je sechs Kinder besetzten können”, sagt Olaf Schöneck, Präsident der Escheder Schützen.

Tore Harmening

Von Tore Harmening