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Celle Stadt Schuhstraße: Kritik an Stillstand
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schuhstraße: Kritik an Stillstand
18:30 28.04.2016
Von Gunther Meinrenken
Die Leerstände in der Schuhstraße dominieren derzeit die Diskussion um die Entwicklung der Innenstadt. Eine Debatte, die es schon vor zehn Jahren gab. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Zum Felde und Kroczek verfolgen aktuell die Berichterstattung über die Leerstände in der Schuhstraße. Die Diskussion um einen fehlenden Anziehungspunkt im Norden der Altstadt kennen die beiden. Sie haben sie quasi mit angestoßen. Zum Felde und Kroczek gehörten zur Zentro Gruppe. Die Geschichte, die sie erzählen, führt zurück in die Zeit vor zehn Jahren, als die Debatte über die Entwicklung der Altstadt dominiert wurde von der geplanten Ansiedlung eines Einkaufszentrums zwischen Bergstraße und Südwall. "Wir haben begriffen, dass die Schuhstraße zunehmend abgehängt wird, wenn wir nichts unternehmen", so zum Felde. Zusammen mit anderen Immobilienbesitzern, Einzelhändlern und Architekten wurde er aktiv. In der Zentro Gruppe fanden sie zusammen.

Die Quartiersentwicklung Schuhstraße/Nordwall war eines der zentralen Themen der Innenstadtakteure. "Im Frühjahr 2006 haben wir einen Großteil der Hauseigentümer und Grundstücksbesitzer unter einen Hut gebracht. Viele waren bereit, entweder Geld in die Hand zu nehmen oder ihr Grundstück oder Haus zur Verfügung zu stellen, um das Quartier zu entwickeln", sagt zum Felde. Die Zentro Gruppe entwickelte Planungen für eine Mischung aus Wohnen und Kleinhandel. Sogar ein Investor habe damals großes Interesse gezeigt: der Bauriese Züblin.

"Am 14. Februar 2008 haben wir zusammen mit Züblin in einem Gespräch mit der damaligen Ersten Stadträtin Susanne Schmitt und Stadtplaner Wolfgang Schucht unsere Ideen vorgestellt. Die Reaktionen waren sehr positiv", berichtet Kroczek. Schmitt habe dabei sogar geäußert, dass sich die Stadt die Planungen genau so vorgestellt habe.

Umso überraschter waren zum Felde und Kroczek, als 14 Tage später in der CZ ein Artikel erschien, in dem die Stadt ihre Planungen für das Quartier vorstellte. Die beiden waren konsterniert, hätten sie doch in den Vorstellungen des Neuen Rathauses einen Großteil ihrer Ideen wiedergefunden. Die Celler Politik reagierte begeistert auf das Konzept der Stadt, das vorsah, das Gebiet kleinteilig vor allem als Wohnquartier zu entwickeln. Das Zentro-Konzept mit einem Mix aus Wohnen und Handel wurde vom Celler Rat "abgehakt". Zum Felde und Kroczek und ihre Mitstreiter fühlten sich brüskiert. Der Investor sprang ab.

Schucht kann sich acht Jahre später nicht mehr an alle Details der damaligen Unterhaltung im Neuen Rathaus erinnern. "Für uns war das ein ganz normales Investorengespräch. Dabei hatten die Zentro Gruppe und der Investor allerdings keine Skizzen vorgelegt." Ein Umstand, der von zum Felde bestätigt wird.

Was den Zentro-Akteuren wohl nicht bewusst war. Die Stadt arbeitete bereits seit Dezember 2006 an der Entwicklung eines Bebauungsplanes. Die Vorarbeiten waren fast abgeschlossen. Nur sechs Tage nach der Unterredung im Neuen Rathaus stellte Schucht die Planungen im Bauausschuss vor. Ein Termin, von dem Zentro und Züblin allerdings nicht informiert worden waren.

"Direkt danach haben wir Züblin wie abgesprochen den Untersuchungsbericht der Denkmalpflege für das Quartier, der Monate in Anspruch genommen hat, zugesandt. Ein paar Wochen später kam die Absage." Dem Investor habe es an freien Flächen gefehlt, um das Gebiet wirtschaftlich entwickeln zu können. Sprich: Ein großzügiger Abriss von alten Häusern vor allem am Nordwall, wie bereits zwei Jahre zuvor von der Zentro Gruppe in ihrem Konzept dargelegt, ließ sich mit den Vorstellungen der Denkmalpflege und der Stadt nicht vereinbaren.

Zum Felde und Kroczek wollen in die Zukunft denken, fragen sich allerdings, wie und wann die Planungen der Stadt Celle Realität werden. Jahrelang sei nichts geschehen. "Das Thema ist in der Straße nicht mehr existent", so zum Felde.