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Celle Stadt Schulanfang in Celle für beruflichen Neustart nutzen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schulanfang in Celle für beruflichen Neustart nutzen
17:33 03.08.2017
Von Dagny Siebke
Valentina Janke besucht ab Montag die Hehlentorschule. Dyana Mieske vom Jobcenter überreicht ihr eine Zuckertüte. Quelle: Dagny Siebke
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Vater Benjamin Janke macht gerade eine Umschulung zur Fachkraft für Lagerlogistik. Mutter Mary-Anne Janke kümmert sich noch um den vier Monate alten Lionel. Doch spätestens im nächsten Jahr will die 25-Jährige eine Ausbildung beginnen. "Mir ist es wichtig, dass erst einmal meine drei Kinder versorgt sind. Dann werde ich mir Gedanken über die Zukunft machen", sagt sie. Sie hatte bereits eine Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen. "Doch dann habe ich gemerkt, dass das gar nichts für mich ist." Mit der Umschulung wolle sie sich aber keinen Stress machen. "Mit Kindern kann man nicht so gut planen", betont Mary-Anne Janke.

Auch Dyana Mieske sagt, dass Eltern häufig eine lange Vorlaufzeit bräuchten. Sie ist die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt beim Jobcenter im Landkreis Celle und erklärt: "Wir wollen Eltern heute die Sicht öffnen, denn zu Hause bleibt die Berufswelt oft abstrakt." Deshalb sind im Kreistagssaal zehn Informationsstände aufgebaut, an dem die Eltern mit den Kooperationspartnern ins Gespräch kommen, Bewerbungen gegenlesen lassen und Antragsformulare fürs Teilhabepaket mitnehmen können.

In der Zwischenzeit können sich die Kinder entlang eines Parcours beschäftigen: Sie können ein Mini-Sportabzeichen erwerben, sich zur Prinzessin schminken lassen oder am "heißen Draht" ihre Geschicklichkeit testen.

Viele Eltern schieben einen Kinderwagen vor sich her. "Auch wenn der Neustart erst in ein oder zwei Jahren angedacht ist, wollen wir jetzt schon zeigen, dass wir für Familien da sind", erzählt Kirsten Rehling vom Zentrum für integrative Berufsbildung. Sie betont, dass eine Umschulung auch in Teilzeit möglich sei. Häufig sei eine Neuorientierung nötig, weil Schichtarbeit oder Reisetätigkeit für Eltern nicht mehr infrage komme. Oder es in manchen Branchen keine Teilzeitmodelle gebe. "Oft hat sich auch einfach die Sicht auf die Dinge geändert", so Rehling.

Auch einige Flüchtlingsfamilien erkundigen sich an den Infoständen. Habib Shikho besucht bereits einen Sprachkurs. Gerne möchte der gebürtige Syrer wieder als Fotograf arbeiten. Doch erst einmal wird seine sechsjährige Tochter Kristin eingeschult. Dann kann auch seine Frau Slo eine Sprachschule besuchen. "Wenn wir zuhause sind, muss immer einer lernen. Der andere kümmert sich dann um die Kinder", erzählt er.

Eine weitere Mutter lässt sich gerade beraten, wie sie mehr aus ihrem 450-Euro-Job machen kann. "Momentan arbeite ich nur abends", sagt sie. Doch wenn ihr Sohn beim Ganztagsangebot der Schule zurechtkomme, wolle sie wieder Vollzeit einsteigen. "Es wäre schön, wieder unabhängig vom Arbeitsamt sein zu können."