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Celle Stadt "Schwarze Sonne" über Celle wird gefährlich
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Schwarze Sonne" über Celle wird gefährlich
14:00 19.03.2015
Von Michael Ende
Der Celler Optiker Andreas Fiemel und seine Kollegen haben die passende "Schutzbekleidung" parat: "Ohne spezielle Sonnenfinsternis-Brille sollte man keinen Blick riskieren." Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Bei vielen Dingen lohnt es sich, ganz genau hinzuschauen, bei anderen sollte man sich dies lieber verkneifen – zum Beispiel beim Himmelsschauspiel, das um 10.37 Uhr am Freitag, 20. März, über Celle die Blicke auf sich ziehen wird: Dann wird der Schatten des Mondes die Sonne zu ungefähr 78 Prozent verdunkeln – ein kosmischer Vorgang, dessen Faszination sich kaum jemand entziehen kann. Gebannt werden Menschen die „schwarze Sonne“ anstarren. Wer dies spontan und ungeschützt tut, könnte das bitter bereuen.

Ganz genau mit den Gesundheitsgefahren, die von Sonnenfinsternissen ausgehen, kennt sich Professor Dr. Burkhard Wiechens aus. Er ist als Chefarzt der Augenklinik des Nordstadt-Krankenhauses in Hannover für den augenärztlichen Notdienst in Celle zuständig. Wiechens hofft, Ende nächster Woche nicht allzu viele Sonnenfinsternis-Opfer bei sich begrüßen zu müssen. „Die Leute sollten extrem vorsichtig sein“, sagt der Mediziner – denn selbst die noch fast verdeckte Sonne sei im wahrsten Sonne „brandgefährlich“.

Welche Kraft gebündeltes Sonnenlicht hat, weiß jeder, der einmal mithilfe einer Lupe gekokelt hat. Etwas ganz Ähnliche könne sich im Auge abspielen, so Wiechens: „Das Auge ist so konstruiert, dass das, was wir sehen, auf der Netzhaupt optimal abgebildet wird. Dort konzentriert sich alles in einem Brennpunkt.“ Und der heiße nicht umsonst so: „Wenn hier schieres Sonnenlicht ankommt, kann es zu Verbrennungen und Verödungen des gestressten Gewebes kommen – bis hin zum dauerhaften Sehverlust.“

Besonders wichtig sei, dass Eltern ihre Kinder vor dem ungeschützten Blick in die Sonne warnten, so Wiechens: „Normale Sonnenbrillen oder der Blick durch CDs schützen überhaupt nicht. Für die Sonnenbeobachtung gibt es im Handel spezielle Brillen mit bedampften Folien – die Gestelle sind aus Pappe und ziemlich günstig. Wichtig ist hier das CE-Prüfsiegel.“ Besonders tückisch sei, dass das Auge auf innere Verbrennungen nicht mit Schmerz reagiere: „Wer nach dem Blick in die Sonne anormale Bilder zu sehen glaubt, der sollte schnell zum Augenarzt – auch wenn der in manchen Fällen dann nicht mehr helfen kann.“

Sorge bereitet die Sonnenfinsternis auch den Stromversorgern. Der Grund: Die über eine Million Solaranlagen in Deutschland speisen 19.000 Megawatt – so viel wie 14 Atomkraftwerke – ins Netz ein. Wenn sie von der Sonne kurzfristig aus- und wieder „angeknipst“ werden, könnte es zum Blackout kommen. In welchem Ausmaß? Das könne niemand sagen, so Andreas Gerow, Pressesprecher der Celle-Uelzen Netz GmbH. Bei extremen Stromschwankungen könne es zu „diskriminierungsfreien Abschaltungen von Lasten“ – sprich Stromausfällen kommen. Gerow: „Wir sind für unseren Teil jedenfalls gut vorbereitet.“ Spannend sei jetzt der Blick aufs Wetter: Sollte es am 20. stark bewölkt sein, dürften die Sonnenfinsternis und ihre Folgen absolut unspektakulär sein.