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Celle Stadt "Schwarzsein passt nicht zum Deutschsein"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Schwarzsein passt nicht zum Deutschsein"
15:54 24.02.2012
Von Oliver Gatz
Sieht in Deutschland eine latente Angst vor dem Fremden: Blaise Pokos. Quelle: Sebastian Thoma
Celle Stadt

Die Angst vor dem Fremden, vor Rassen- oder Kulturvermischung sei in der Gesellschaft nach wie vor latent vorhanden, stellte Pokos fest. Seine These untermauerte er mit Interviews, Karikaturen und Darstellungen aus Schulbüchern. „Es gibt in Deutschland eine Vorstellung davon, was wir als deutsch und als weiße Rasse verstehen", sagte er. Blonde Haare, blaue Augen, weiße Haut: Das seien die Merkmale, an denen man üblicherweise das Deutschsein festmache. Für diese Sichtweise erfand Pokos den Begriff „Monovolk". Der Kongolese sprach von einem „rassisch geschlossenen Volksverständnis", das in Deutschland vorherrsche.

„Schwarzsein passt nicht zum Deutschsein", konstatierte Pokos. „Die Mischung hat keinen Platz. Das prägt auch die Kinder." Entweder gehöre man in die eine Schublade oder in die andere. Das sei die bestimmende Logik in der Gesellschaft. Anhand einer Karikatur über Ausländer in Deutschland, die ein überfülltes Boot zeigt, machte Pokos deutlich, welchen Eindruck er gewonnen hat: "Die Anwesenheit von Schwarzen in Deutschland ist reduziert auf das Thema Asyl. Das kann einnen negativen Effekt haben."

Im Rahmen seiner Arbeit interviewte Pokos junge Deutsche mit schwarzer Hautfarbe. Er sprach auch mit Eltern und Lehrern. Die „Monovolkvorstellung" sei heute noch sehr präsent, sagt Pokos. „Die Jugendlichen fühlen sich als Deutsche, aber die Gesellschaft akzeptiert sie nicht. Man merkt, in welcher inneren Zerrissenheit die Jugendlichen aufwachsen und leben." Das verursache bei manchem sogar Selbstmordgedanken.

Pokos warb für eine facettenreiche Gesellschaft. „Mischung ist keine Identitätsverleugung, keine Verunreinigung, sondern eine Identitätsentwicklung", sagte er. Diese Sicht müsse die Politik rational und emotional den Bürgern vermitteln.