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Celle Stadt Schwere Zeiten für Tiefbohrer in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schwere Zeiten für Tiefbohrer in Celle
17:27 12.09.2016
Die Experten Reiner Krispin (von links), Kurt Reinicke, Joachim Oppelt, Joachim Büchner, Thor Növig, Wolfgang Genannt und Georg-Peter Ostermeyer bei der "Celle-Drilling"-Konferenz.  Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

„Egal wo sie bohren, eine Bohrung ist immer sehr teuer“, sagt Wolfgang Genannt. Er ist Vorstandsmitglied des Vereins GeoEnergy Celle und Mitorganisator der sechsten internationalen Konferenz für Tiefbohrtechnologie „Celle Drilling“, die gestern und heute in der Congress Union stattfindet.

240 Teilnehmer sind in Celle zusammengekommen, um sich über die neuesten Entwicklungen der Tiefbohr-Industrie auszutauschen. Ziel der Veranstaltung: Bohrverfahren kostengünstig, schnell und mit dem Blick auf Umwelt und Sicherheit weiterzuentwickeln, erläutert Genannt. Und das sei auch dringend notwendig, denn die Branche mache schwierige Zeiten durch.

„Wir in Deutschland bohren fast gar nicht mehr“, so Genannt. Schuld daran sei der Preisvefall vieler Rohstoffe. Dieser käme zustande, da zur Zeit die vorhandenen Reserven an Öl und Gas verbraucht werden, ohne die Rohstoffe durch neue Förderungen zu ersetzen. „Die großen multinationalen Konzerne und Öl-Staaten gehen an die Reserven ran, weil das zur Zeit billiger ist, als zu fördern“, sagt Genannt. Irgendwann würden die Ölpreise aber wieder steigen und neue Bohrungen sich wieder lohnen. Wann das sein wird, sei jedoch schwer abzuschätzen.

Weitere Probleme der Bohr-Branche seien Rechtsunsicherheiten und die Diskussion um das Fracking-Verfahren. Dadurch verliere der Standort Deutschland für Investoren an Bedeutung.

„Ich kann als Investor nicht erst 40 Millionen in ein Bohr-Projekt investieren, um dann nur dumm zu gucken, weil ich nicht weiterarbeiten darf“, erklärt Genannt. Dadurch sei die Öl- und Gasversorgung gefährdet, ebenso wie Arbeitsplätze. „Gerade hier in Celle. Die Fachkräfte gehen dahin, wo Arbeit ist und was weg ist, ist weg.“

Was hingegen bald nach Celle kommen könnte, ist ein neues Geothermie-Kraftwerk. Das Kraftwerk soll einmal im Stadtgebiert Heese seinen Betrieb aufnehmen, 0,7 Megawatt Strom erzeugen und genügend Heizwärme für 100.000 Quadratmeter Wohnfläche. Bis es soweit ist, müsse noch eine Menge passieren, erklärt Genannt.

Die Planung des Gheotermie-Projekts gliedere sich in zwei Phasen. In der ersten Phase, die im Dezember abgeschlossen sein soll, geht es darum, Daten zu sammeln und eine Handlungsempfehlung auzusprechen. In der zweiten Phase müssten Sponsoren gewonnen und das weitere Vorgehen erörtert werden, so Genannt. Fiele die Empfehlung aus der ersten Phase negativ aus, wird das Projekt eingestellt, sagt Gennant. „Die Vermutung liegt nahe, dass das ganze Positiv sein wird.“

Michael Ottinger