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Celle Stadt Schwierige Lage in Afghanistan: Union warnt vor zu hoher Erwartung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Schwierige Lage in Afghanistan: Union warnt vor zu hoher Erwartung
21:33 06.08.2010
Von Klaus Frieling
Informationsgespräch vor Ort in Kundus: Henning Otte (Mitte) und Volker Kauder (rechts) mit Oberst Reinhard Zudrop. Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
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Als Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Verteidigung besuchte der heimische Bundestagsabgeordnete Henning Otte (CDU) gemeinsam mit Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) und dem Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hans-Peter Friedrich, für zwei Tage die in Afghanistan eingesetzten deutschen Soldaten und Polizisten in Masar-i- Sharif und Kundus.

In Gesprächen mit dem Chef des deutschen ISAF-Einsatzkontingentes, Generalmajor Hans-Werner Fritz, und Oberst Reinhard Zudrop als Kommandeur des Wiederaufbauteams in Kundus sei deutlich geworden, dass die Sicherheitslage im Vorfeld der bevorstehenden Parlamentswahlen am 18. September schwierig sei, teilte Otte der CZ gestern nach seiner Rückkehr mit. Deutsche Soldaten stünden insbesondere im Raum Kundus täglich im Gefecht.

Die internationale Staatengemeinschaft arbeite zwar daran, die Verantwortung an die Afghanen zu übergeben. „Sie hat das Ziel aber noch nicht erreicht“, bilanzierten die drei Unionspolitiker. „Die Lage im Norden Afghanistans ist weiter angespannt.“ Otte wies darauf hin, dass deutsche Soldaten und insbesondere Polizeikräfte ihre afghanischen Partner aber auch nach dem für 2014 geplanten Kommandowechsel weiter unterstützen müssten. Die internationale Staatengemeinschaft müsse neben Afghanistan zudem stärker auch die Nachbarstaaten Pakistan und Iran in die Gesamtbetrachtung einbeziehen.

Otte, der die deutschen Truppen in Afghanistan bereits zum fünften Mal besuchte, informierte sich am Hindukusch auch über Ausrüstung und Ausbildung der Einsatzkräfte. Es sei deutlich geworden, dass die vom Wehrbeauftragten Helmut Königshaus geäußerte massive Kritik von den Vertrauensleuten und Kommandanten in Afghanistan nicht bestätigt wurde, äußerte er gegenüber der CZ.

Otte will auch die Ausschreibungsmodalitäten für die vom Entwicklungsministerium finanzierten Investitionen überprüfen lassen: „Wenn wir als Deutschland im Rahmen des zivilen Aufbaus Investitionen in die afghanische Infrastruktur ermöglichen, müssen deutsche Unternehmen im Rahmen der Ausschreibungen auch eine ordentliche Chance auf Aufträge bekommen.“

Trotz ihres Eintretens für den gefährlichen Einsatz räumten die Unionspolitiker gestern ein: „Wer glaubt, wir könnten am Hindukusch europäische Verhältnisse schaffen, der irrt.“ Otte, Kauder und Friedrich wandten sich aber dagegen, Erfolge beim Aufbau von Infrastruktur und Bildung sowie beim Wirtschaftswachstum und der Gesundheit kleinzureden. Das deutsche Engagement wirke den Gefahren für die Sicherheit und die Freiheit unseres Landes dort entgegen, wo sie entstehen. „Deshalb macht unser Einsatz in Afghanistan trotz aller Schwierigkeiten Sinn.“