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Celle Stadt „Sechs Monate sind einfach zu wenig“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Sechs Monate sind einfach zu wenig“
18:11 10.08.2010
Von Oliver Gatz
Celle Stadt

Gerade beim Einsatz von Rettungssanitätern macht sich die Verkürzung des Zivildienstes auf sechs Monate für die Sozialverbände bemerkbar. „Wir investieren Geld in Mitarbeiter, die uns nur zwei Monate zur Verfügung stehen“, sagt Christian Stollmeier, Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). „Das rechnet sich nicht.“ Die Ausbildung zahlt das DRK. Sie dauert in der Regel dreieinhalb Monate. Hinzu kommt Urlaubsanspruch.

Weniger problematisch sei die Situation beim Haus-Notruf-Dienst und bei unterstützenden Tätigkeiten in der ambulanten Pflege, sagt Stollmeier. Hier sei die Lehrgangsdauer für Zivildienstleistende deutlich kürzer. Derzeit beschäftigt der DRK-Kreisverband 13 Kriegsdienstverweigerer. Stollmeier hofft, dass einige freiwillig ihren Einsatz verlängern. Anfragen dazu habe es bereits gegeben.

Die Arbeit mit Behinderten und alten Menschen erfordere eine längere Einarbeitungszeit, erläutert Heino Wolf, Leiter der Verwaltungsstelle Zivildienst beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Niedersachen. „Da sind die sechs Monate einfach zu wenig.“ Auch der Paritätische setzt auf Zivis, die freiwillig ihren Dienst verlängern. „Eine Umfrage unseres Landesverbandes Schleswig-Holstein hat ergeben, dass 75 Prozent der im Dienst befindlichen Zivildienstleistenden mit dem Gedanken spielen, freiwillig zu verlängern.“ Ein Grund sei, die Lücke zwischen Schule und Ausbildung zu füllen. Im Raum Celle werden derzeit 14 Zivildienstleistende in den Einrichtungen des Paritätischen beschäftigt – es stehen aber 45 Plätze zur Verfügung.

Kritisch sehen auch die Celler Malteser die Situation. In der Behindertenbetreuung würden Lehrgang und Einweisung knapp drei Monate beanspruchen, sagt Dienststellenleiter Andreas Zahn. Es sei zukünftig kaum möglich, mit Zivildienstleistenden Behinderte zu Hause zu betreuen. Und wenn auf hauptamtliches Personal zurückgegriffen werden müsse, könnten die Betreuungskosten „explodieren“.

Die Celler Lebenshilfe will sich in Zukunft verstärkt auf junge Leute konzentrieren, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren möchten. Nach Angaben von Geschäftsführer Reinhard Klein beschäftigt die Lebenshilfe ein gutes Dutzend Zivildienstleistende und sechs FSJler. Man habe sich aber durch das Ausgliedern von Aufgaben unabhängiger von den Zivildienstleistenden gemacht. „Wir sind so aufgestellt, dass wir nicht zusammenbrechen, wenn wir keine Zivis mehr hätten“, so Klein.