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Celle Stadt Seile als Familientradition
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Seile als Familientradition
17:25 13.02.2012
Seiler Dollenberg Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
Celle Stadt

Heinrich Dollenberg aus der Bergstraße hat die Seilerei von seinem Vater übernommen. Bereits Generationen vorher wurde in dieser Familie der Beruf ausgeübt, schon seit 1876. Einige der uralten Maschinen, die noch komplett aus Holz bestanden, stehen unterdessen im Celler Bomann-Museum. Dollenberg selbst ist in dem Betrieb aufgewachsen und hat den Beruf von Kindesbeinen an vor Augen gehabt. Er betreibt eine von zwei Seilereien, die noch in Niedersachsen tätig sind. Sein Sohn, der zunächst Betriebswirt des Handwerks studierte, lernte anschließend das Seilerhandwerk vom Vater. Die Seilerei ist bis heute ein reiner Familienbetrieb.

Der Seilerberuf ist ein Lehrberuf nach der Handwerksordnung und ganz modern organisiert. Eine Meisterprüfung ist nach wie vor erforderlich, da es sich um die Herstellung sicherheitsrelevanter Produkte handelt, bei denen Mensch- und Materialschäden entgegengewirkt werden muss. Es gibt eine Innungskammer in Baden Württemberg und einen Bundesverband der Seiler-Segel-und Netzmacher. Zurzeit werden bundesweit 20 Lehrlinge ausgebildet, die zum Teil in mehreren Betrieben das Handwerk erlernen.

Aber die Globalisierung hat auch hier nicht halt gemacht und einige Großbetriebe haben ihre Produktion in den Osten verlagert, um Lohnkosten zu sparen. In Deutschland gibt es nach wie vor noch ungefähr 60 Herstellerbetriebe, weltweit rund 400.

Stolz berichtet er: „Ich bin in der Branche als jemand bekannt, der quasi auch karierte Maiglöckchen herstellt“, also Produkte, die außer ihm nur noch zwei drei andere Hersteller anbieten können.

In seiner kleinen, aber intensiv genutzten Produktionsstelle auf dem Hof in der Bergstraße stehen viele verschiedene Maschinen und surren vor sich hin. Hier gibt es Flecht-, Spul-, Schlag-, Knäuel- und Zwirnmaschinen.

Die Seile, die bis zu 10 000 Meter lang sein können, scheinen schier endlos zu sein. Beeindruckend riesige Spulen stehen, hängen, liegen.

Seine geschlagenen Tauwerke, so nennt der Fachmann gedrehte Seile, sind drei oder vierschäftig, bestehen also aus ebensovielen Kordeln. Die Kombinationsseile, die hauptsächlich für Spielplätze eingesetzt werden, sind vier oder sechsschäftig, sie müssen größeren Belastungen standhalten.

Im alten Laden in der Bergstraße findet man eine Produktpalette von bis zu 100 verschiedenen Seilen. Drachenschnüre, Maurerschnüre, Angelschnüre, Jalousienschnüre, Bindfäden, Wäscheleinen, Lastleinen, Fangleinen, Rollengliss und ähnliches für die Feuerwehr oder das THW, Spezialseile für Berufe wie Dachdecker, Bergsteiger, Zimmerleute oder die Landwirtschaft und natürlich für Segler. Viele Spezialschnüre benötigen sogar eine Sonderzulassung vom TÜV.

Bei der Beschaffung seiner Rohstoffe musste sich Dollenberg in den letzten Jahren umstellen, denn der jugoslawische Hanf war in den letzten Jahren kriegsbedingt kaum noch zu haben und auch aus der Poebene gab es immer wieder Lieferschwierigkeiten wegen Überschwemmungen oder Dürrezeiten. Heute bezieht er seine Rohstoffe aus der ganzen Welt, wie Sisal aus Süd Amerika oder Afrika. Chemiefasern kauft Dollenberg in Deutschland, den Niederlanden, in Spanien oder Japan. High-Tech- Leinen und Seile, die er aus Aramiden fertigt, werden in den letzten Jahren besonders gefragt, Dollenberg hat ein „Geheimrezept“ der Verarbeitung.

Von Brigitte Vassiliou