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Celle Stadt "Sender Zitrone" aus Celler Neustadt lebt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Sender Zitrone" aus Celler Neustadt lebt
21:03 25.07.2014
Ralf (links) und Michael Vandrey aus Burgdorf mit der Geräuschtür, die in Hermann Hoffmanns Sendung "Eine kleine Dachkammer-Musik" den Auftakt bildete. Hermann Hoffmann (oben rechts) startete seine Radiokarriere mit einem Schwarzsender in Celle. Quelle: Joachim Gries
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Als Hermann Hoffmann 1955 von der Dachkammer über der Königin-Bar in der Celler Neustadt mit seinem Schwarzsender Zitrone seine Zuhörer mit frechem Rundfunk unterhielt, da stieß das bei den Behörden ziemlich sauer auf. Oberpostdirektion und Kriminalpolizei beschlagnahmten die Sendeanlagen, 1956 wurde Hoffmann, damals 28 Jahre alt, zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt und kam damit noch ziemlich glimpflich davon. Aber der Grundstein für eine große Rundfunkkarriere war gelegt.

Noch heute erinnern sich Millionen Menschen an Sender Zitrone und „Eine kleine Dachkammer-Musik“, die ab Ende 1962 von NDR und WDR wöchentlich ausgestrahlt wurde. Alle Rollen vom Schwaben Pankratius Schräubchen bis zum Ostpreußen Cäsar Schlotterbeck sprach Hoffmann selber. 671 Folgen wurden es insgesamt.

1967 zog Hoffmann von Hannover nach Burgdorf um, richtete hier ein professionelles Tonstudio ein. Als Musiker und jüngster Kapellmeister aller Zeiten machte er sich daran, aktuelle Schlager umzutexten und Politikerreden zu anspruchsvollen Blödeleien umzugestalten. In „vor-digitalen“ Zeiten war das sehr aufwändig. Ab 1983 produzierte Hoffmann für den NDR „Polit-Klimmbimm“, jede Woche in der Sendung „Reißwolf“ zu hören. Auch im Video-Bereich wurde er aktiv.

Als Hoffmann im April 1997 starb, hinterließ er ein großes Tonarchiv. Das ist inzwischen komplett digitalisiert, der Freundeskreis Hermann Hoffmanns „Sender Zitrone“ hat aus dem Fundus jetzt eine erste Doppel-CD mit 19 Titeln aus verschiedenen Schaffensperioden herausgegeben, weitere sind geplant.

2007 widmete das Stadtmuseum Burgdorf Hermann Hoffmann eine großartige Ausstellung und informierte in Bild und Ton über den Zitronen-Funker. Für dieses Jahr hatte auch das Celler Bomann-Museum eine große Hoffmann-Ausstellung geplant, sie wurde aber abgesagt. „Der Verein war personell nicht in der Lage, uns zu unterstützen und allein hätten wir das bei Umbau und Umgestaltung des Museums nicht geschafft“, sagt Direktor Jochen Meiners. Er will aber nicht ausschließen, dass Hoffmann eines Tages eine Schau in kleinerem Rahmen gewidmet wird.

Die Brüder Ralf und Michael Vandrey aus Burgdorf sind Mitglieder im Freundeskreis, der sich 2008 gründete. Sie haben noch gute Erinnerungen an den Radiomacher, nicht nur als Hörer. In ihrem Besitz ist auch die Dachkammertür, die mit knarrenden Scharnieren, klimpernder Kette und ruckendem Riegel in jeder Dachkammer-Musik zu hören war. Vater Vandrey war Tischler und hatte bei Hoffmann Arbeiten zu erledigen und kam so an die Tür.

Der Internetsender Slang Radio (www.slangradio.de) wiederholt jeden Freitag in seiner Sendung „Start ins Wochenende“ gegen 17.30 Uhr eine Folge der Kleinen Dachkammer-Musik. Die Doppel-CD „Hermann Hoffmann – aus dem Zitrone-Archiv“ gibt es im CZ-Kundencenter zum Preis von 15 Euro. www.sender-zitrone.de.

Von Joachim Gries