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Celle Stadt Sie nannten ihn "Fliege": Celles Sparkassen-Chef tritt ab
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Sie nannten ihn "Fliege": Celles Sparkassen-Chef tritt ab
11:50 20.09.2016
Von Michael Ende
Nach 29 Jahren verlässt Axel Lohöfener jetzt die Sparkasse Celle. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
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Weshalb Fliege? „Es begann ganz einfach als praktische Lösung“, sagt Lohöfener: „Ich habe 1970 mit meiner Lehre zum Sparkassenkaufmann begonnen. Da musste man morgens mindestens eine Stunde lang die Kontoauszüge in tischgroße Kontotröge einsortieren. Die Mode damals verlangte lange, schmale Schlipse. Und so einer hing mir immer zwischen Kontoauszug und Kontotasche. So kam ich zur Fliege. Quergebunden störte sie nicht.“

Doch die Krawattenschleife bewirkte etwas anderes: Aufmerksamkeit. „Nach meinem Studium absolvierte ich ein Trainee-Programm unseres Verbands in Hannover. Ich war bei verschiedenen Sparkassen unterwegs. Wegen der Fliege kannte mich schon nach wenigen Stunden praktisch jeder in der Sparkasse. Und dort, wo ich dann den ersten leitenden Posten hatte, hieß es dann: Fliege hat gesagt: …“, erinnert sich Lohöfener. So sei er dabei geblieben.

Wenn Lohöfener darüber spricht, warum und wie er „Banker“ geworden ist, wird schnell klar, dass er „Sparkasse im Blut“ hat. „Spätestens wenn man das Abi-Zeugnis in der Hand hält, fragt man sich, was man damit anfängt. Ich bin mathematisch-naturwissenschaftlich orientiert. Ich hatte aber auch Interesse an juristischen, gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Themen. Und ich wollte mit Menschen zu tun haben und Führungsaufgaben übernehmen. Also Chef werden, um vor allem gestalten zu können und Verantwortung zu übernehmen, sagt Lohöfener.

In seinem Vater hatte er ein Vorbild: Er war Chef der Sparkasse in Osnabrück. „Und er legte mir nahe, mit einer kaufmännischen Lehre zu beginnen, was ich dann tat. Ich habe dann Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Banken studiert“, erinnert sich Lohöfener. Er wollte danach in die Sparkassenorganisation zurück: „Die mittelständische Struktur der kurzen Entscheidungswege und direkten Verantwortung fand ich gut – und finde sie immer noch gut.“

Über das Trainee-Programm fasste Lohöfener Fuß: „Ich habe bei verschiedenen Sparkassen in Niedersachsen auf der Management-Ebene hospitiert. Die zweite Station war übrigens die Stadtsparkasse Celle mit dem Vorstandsvorsitzenden Erhard Grundmeier.“ Dann folgten sechs Jahre als Leiter des Vorstandsstabs einer größeren Sparkasse im Süden Hamburgs: „In gleicher Funktion kam ich dann 1987 nach Celle zurück und wurde Anfang 1988 zum Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Celle gewählt.“ Als „Banker“ sieht sich Lohöfener eher nicht: „Der Begriff ist mir zu technokratisch. Der altmodische Sparkassendirektor ist mir da lieber.“ Lohöfeners Kinder im Alter zwischen 23 und 30 Jahen sind längst aus dem Haus. Er lacht: „Zur Sparkasse wollte keiner.“

Nicht umsonst wird Lohöfener der „heimliche Architekt“ der Sparkasse Celle genannt: „Das Handwerkliche zieht mich an; ich werke auch gern privat. Da kommt meine Ader für das Ingenieurmäßige durch. Und da gab es ja auch in den neunziger Jahren jede Menge zu tun.“ Die beiden Sparkassen in Celle fusionierten. „Im Service und der Beratung kamen wir zu ganz neuen Ausrichtungen“, sagt Lohöfener: „Bis dato stand vor allem die Zweckmäßigkeit der Arbeitsabläufe im Vordergrund. Der Kunde hatte sich dem unterzuordnen. Das haben wir damals grundlegend geändert. Wir wollten eine Atmosphäre haben, in der sich vor allem die Kunden angesprochen und wohlfühlen, und haben uns den Einzelhandel zum Vorbild genommen. Ich darf behaupten, dass wir Maßstäbe gesetzt haben.“

Kein Tag sei wie der andere gewesen, erinnert sich Lohöfener: „Kunden, Wettbewerber und wirtschaftliche Einflüsse sorgen immer für Bewegung. Das Spannende ist, daraus eine Geschäftspolitik der ruhigen Hand zu machen. Kunden und Mitarbeiter brauchen bei allen Veränderungen, die auf uns zukommen und die wir selbst steuern, die Sicherheit einer klaren Ausrichtung. Am guten Ergebnis orientierte Arbeit, vertrauensvoller Umgang, offene Diskussion und Verzicht auf überflüssigen Hierarchie-Anspruch. Mut und Tatkraft zur Innovation, zur Weiterentwicklung und Gestaltung – das sind für mich die wichtigen Grundlagen, geschäftlich und mit Freude zu bestehen.“

Jetzt möchte Lohöfener erst mal Urlaub von der Verantwortung nehmen: „Mein Plan? Kein Plan. Erstmal.“ Er möchte sich mehr dem Rudersport zuwenden: „Einige Ehrenämter laufen weiter. Neue werden dazu kommen. Und da sind ja noch Familie und Freunde.“