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Celle Stadt Sie wollten einen Betriebsrat gründen: 87 Beschäftigte auch aus Celle gefeuert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Sie wollten einen Betriebsrat gründen: 87 Beschäftigte auch aus Celle gefeuert
17:45 12.01.2017
Von Michael Ende
Celle Stadt

Bereits im November hatten die Hausmeister und Reinigungskräfte der „Deutschen Grundstücksservice" versucht, eine Wahl zum Betriebsrat einzuberufen. Dagegen sei Dehne, der als vermögender Erbe mit mehreren Firmen bundesweit Immobiliengeschäfte mache, juristisch vorgegangen, so die IG Bau. Nachdem nun alle Mitarbeiter in der vergangenen Woche für eine erneute Wahlversammlung unterschrieben hätten, hätten sie prompt eine Kündigung erhalten. „Das ist miese Personalpolitik nach Gutsherrenart", sagt Lattrich. Die gesetzliche Mitbestimmung solle „offenbar um jeden Preis verhindert" werden. Außerdem habe Dehne versucht, an die Namen der Gewerkschaftsmitglieder in seiner Firma zu kommen – „ein illegaler Vorgang", so Lattrich. Nach Angaben der IG Bau hat es einen vergleichbaren Fall in den letzten 15 Jahren nicht gegeben.

„Der Immobilen-Erbe, dem es an Geld nicht zu mangeln scheint, zahlt gerade einmal den gesetzlichen Mindestlohn", berichtet Lattrich. Zudem seien die Lohnzahlungen oft extrem unregelmäßig gewesen. Als Dehne die Aktivitäten der IG Bau bemerkt habe, seien die Löhne immerhin pünktlicher gekommen. Dies zeige, so Lattrich, welche „enorme Angst" der Unternehmer davor habe, dass sich die Mitarbeiter für ihre Rechte einsetzten.

Die Entlassungen hätten nichts mit Betriebsratsbestrebungen zu tun, sagt Dehne auf CZ-Nachfrage: „Die Deutsche Grundstücksservice GmbH übernahm Hausmeisterdienstleistungen für die Altro Mondo GmbH. Dies umfasste Arbeiten wie Objektbetreuungen, Grünanlagenpflege oder Winterdienst. Die Zufriedenheit der Mieter hat für uns oberste Priorität, daher muss die Servicequalität stimmen.“ Bereits im vergangenen Sommer habe man die Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass hier Optimierungsbedarf bestehe: „Durch verschiedene Maßnahmen haben wir versucht, Abhilfe zu schaffen. Leider nicht mit dem gewünschten Erfolg: Die erhofften Verbesserungen traten nicht ein. Wir waren daher zu der unternehmerischen Entscheidung gezwungen, einen externen Auftragnehmer mit den Serviceleistungen zu beauftragen.“

Die IG Bau fordert den Unternehmer dazu auf, die Kündigungen zurückzunehmen. „Entweder soll die Deutsche Grundstücksservice mit voller Personalstärke bestehen bleiben – oder die Mitarbeiter müssen in einer neuen Firma angestellt werden", betont Frank Lattrich. Die Gewerkschaft werde alle zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um zu verhindern, dass die Beschäftigten auf der Straße landen: „Mit seinem Heuern und Feuern nach Belieben hat Dehne die Rechnung ohne uns gemacht."