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Celle Stadt Siebenjähriger Krieg im Tagebuch
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Siebenjähriger Krieg im Tagebuch
17:01 11.02.2010
Jens Mastnak / Michael-Andreas Tänzer: Celle im Siebenjährigen Krieg. Das Tagebuch des Garnisonauditeurs Johann Philipp Schowart. Forschungen zur Hannoverschen Militärgeschichte Bd. 1., Celle 2010. Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
Celle Stadt

Es fing alles ganz harmlos an. Mit einem Vortrag im Jahr 2008. Zur Eröffnung der Schau „Hannoversche Militärgeschichte vom Siebenjährigen Krieg bis zur Schlacht von Langensalza“ mit Zinnfiguren-Großdioramen, davon eines mit dem Titel „Celle im Jahr 1755“, in der Ehrenhalle des Bomann-Museums stellte es der Arbeitskreis Hannoversche Militärgeschichte in Auszügen vor: das Tagebuch des Celler Garnisonsauditeurs Johann Philipp Schowart.

Dieser Vortrag begeisterte die Zuhörer, die Idee war geboren: ein Buch sollte entstehen, gestützt auf dem großen Fundus an militärhistorischen, regional- und sozialgeschichtlichen Informationen, die Schowarts Aufzeichnungen bietet. 1895 vom damaligen Oberbürgermeister Otto Hattendorf dem Bomann-Museum geschenkt, nutzten die Quelle bislang nur Clemens Cassel und Friedrich Schirmer für kurze Ausführungen.

Schowart schildert die zum Teil dramatischen Ereignisse von 1757 bis 1759 in Celle. Jens Mastnack und Michael-Andreas Tänzer vom Arbeitskreis Hannoversche Militärgeschichte machten sich ans Werk – eine rund zwei Jahre währende Arbeit, betreut vom Historiker Norbert Steinau, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bomann-Museum. Das Ergebnis: der erste Band der Forschungen zur Hannoverschen Militärgeschichte „Celle im Siebenjährigen Krieg – Das Tagebuch des Garnisonsauditeurs Johann Philipp Schowart“, herausgegeben und finanziert vom Bomann-Museum.

„Bislang hat sich keiner so richtig daran gewagt“, erzählt Steinau. In Niedersachsen sei nur aus der Stadt Hannover eine vergleichbare Quelle bekannt, die mit der Fülle an Informationen nicht ganz mit den Aufzeichnungen Schowarts mithalten könne.

Mastnack übernahm die gesamte Transkription des Tagebuchs. Im zweiten Teil des Buches ist es vollständig und buchstabengetreu abgedruckt. Für den Historiker und Stadtarchivar von Lehrte „reine Übungssache“. Motivation für die akribische Arbeit schöpfte Mastnack aus dem Inhalt. In Schowarts Schilderungen sieht er eine militär- und sozialhistorisch hochinteressante Quelle, besonders in Bezug auf den Umgang zwischen der Stadtbevölkerung Celle und den Franzosen.

Karten, Porträts und Skizzen aus dem Bomann-Museum und dem Stadtarchiv komplettieren das Bild der Zeit.

„Wir hoffen nicht nur, dass die Wissenschaft den Band als Quelle für weitere Forschungen verwendet“, sagt Tänzer. Der regionalhistorische Aspekt sollte für alle Leser transparent sein, die sich für Celler Stadtgeschichte interessieren, wünscht sich der Autor.

Anlässe für Folgebände der neuen Reihe gibt es bereits, so Steinau. Für 2013 und 2015 stehen 200 Jahre Schlacht an der Göhrde sowie 200 Jahre Schlacht bei Waterloo an.

●Das Buch: Der erste Band ist ab sofort im Bomann-Museum für 19,80 Euro erhältlich und über ISBN 978-3-925902-71-0 im Buchhandel zu bestellen.

Von Silja Weißer