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Celle Stadt Silberkammer als Geschirrschrank und Sparbüchse
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Silberkammer als Geschirrschrank und Sparbüchse
18:25 30.09.2013
Mit einer akrobatischen Pantomime-Schau des Berliner Duos „Ensemble Finesse“ nahm das Silber - „Gestalt an“ bei der Eröffnung der Sonderausstellung - „Glanzlichter“ im Celler Residenzmuseum. Quelle: Alex Sorokin
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Die Silberbestände am Hof umfassten seinerzeit kostbare, vorwiegend dekorative Goldschmiedearbeiten ebenso wie das zum regelmäßigen Gebrauch bestimmte Tafelsilber. Es gehörte zum fürstlichen Selbstverständnis, die Sammlung stetig zu erweitern. Dies geschah zum einen durch Ankäufe, zum anderen durch Geschenkgaben aus Anlass von Gesandtenbesuchen, Regierungsantritten (Huldigungen) oder Hochzeiten und Turnieren. „Am Verlust und der derzeit weltweiten Verteilung der Celler Silberobjekte wird aber auch deutlich, dass fürstliche Silberkammern stets ‚Geschirrschrank und Sparbüchse‘ in einem waren: Sie dienten der glanzvollen Repräsentation, konnten aber in Zeiten der Not auch ‚versilbert‘ werden“, erklärte Juliane Schmieglitz-Otten, Leiterin des Residenzmuseums, bei der stilvoll gestalteten Vernissage der mit „Glanzlichter“ betitelten Sonderausstellung vor geladenen Gästen im Großen Festsaal des Celler Schlosses. In einer zwischenzeitlich präsentierten akrobatischen Pantomime-Schau ließ das Berliner Duo „Ensemble Finesse“ das Silber quasi Gestalt annehmen.

Festredner Professor Thomas Vogtherr, Vorsitzender der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, verdeutlichte das Alleinstellungsmerkmal des Celler Schlosses mit seinem damals wie heute lebendigen Miteinander von Residenz und Residenzstadt. „Hier wird nicht nur Pracht, sondern auch Prachtentfaltung präsentiert, und zwar in einem Rahmen, der nicht sprachlos, sondern kommunikationsfreudig macht“, registrierte er anerkennend die einzigartige interaktive Vermittlung höfischer Lebensführung.

Mit ansteckender Freude beschrieb Schmieglitz-Otten den Gästen, wie man vor vier Jahren anlässlich einer Auktion in Paris (Sammlung Yves Saint Laurent und Pierre Bergé) eher zufällig auf die Celler Silberschätze aufmerksam geworden sei und wie in enger und unbürokratischer Zusammenarbeit von Beteiligten und Sponsoren kurzerhand drei der silbervergoldeten Huldigungspokale erworben werden konnten. Kaum weniger spannend erläuterte sie das erfolgreiche Unternehmen, den vergoldeten Renaissance-Pokal aus London und den silbernen Deckelbecher aus Kopenhagen als Leihgaben für diese Ausstellung nach Celle zu holen. Alle diesbezüglichen Detail-Informationen sind auf Texttafeln und in medialer Aufbereitung unmittelbar bei der jeweiligen Vitrine erfahrbar.

Die „Glanzlichter“ sind bis zum 9. März im Residenzmuseum zu sehen.

Von Rolf-Dieter Diehl