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Celle Stadt Singen als Teil sozialen Lebens
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Singen als Teil sozialen Lebens
12:03 17.03.2015
Ursula Kleinschmidt, Hinrich Leithäuser, Johanna Thomsen, Reinhald Hanke und Annegret Tameling (von links) im Gespräch. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Bei einem Treffen mit vier in Celle lebenden Chorsängern wurde die Situation des Chorlebens erörtert. Es diskutierten mit CZ-Mitarbeiter Reinald Hanke: Hinrich Leithäuser, Annegret Tameling, Ursula Kleinschmidt und Johanna Thomsen.

Hinrich Leithäuser war viele Jahre in der Celler Stadtkantorei, singt nun, im Rentenalter, in wechselnden Chören – mal in Klein Hehlen, mal in Hermannsburg, mal in Beedenbostel. Leithäuser kann sich noch an Zeiten erinnern, in denen es selbstverständlich war, dass die anspruchsvollen Schütz-Passionen regelmäßig von Kirchenchören aufgeführt wurden. „Das gibt es heute überhaupt nicht mehr. Wir haben diese Musik damals sogar in Dorfkirchen gesungen. Es ist mir schon ein wenig rätselhaft, warum diese Tradition heute nicht mehr existiert.“

Ursula Kleinschmidts Perspektive ist anders: Sie singt in dem relativ jungen Chor „Gospel Works“. Sie hat in Kinder- und Jugendtagen viel traditionelles Repertoire im Chor gesungen und erst in den letzten Jahren wieder mit Gesang angefangen. „Nun singe ich einerseits mit viel Freude, ja mit mehr Freude als früher im Gospelchor. Die Musik und auch die Gemeinschaft im Chor sind für mich ein idealer Ausgleich zum Alltag“, formuliert sie.

Auch Annegret Tameling hat in Kinderzeiten im Schulchor und in Jugendchören gesungen, hat das während des Studiums weitergeführt und ist nach längerer Singpause 2007 in den Frauensingkreis Celle eingetreten, in dem sie die gute zwischenmenschliche Atmosphäre schätzt. „Bei uns singen viele mit, die schon älter sind. Wir tun uns zwar ein wenig schwer, jüngere Chormitglieder dazu zu gewinnen, aber wir fühlen uns wohl in unserer aktuellen Zusammensetzung. Natürlich ist uns im Frauensingkreis eine gute Leistung durchaus wichtig, aber die gemeinsame Freude am Singen liegt uns ebenso am Herzen.“

Eine andere Situation ist diejenige des Kammerchors Hannovers, dessen Vorsitzende Johanna Thomsen genauso in Celle lebt wie dessen Dirigent. Dieser Chor hat semiprofessionellen Charakter, denn er besteht weitgehend aus ehemaligen Studenten der Musikhochschule in Hannover und wird auch aus dem sängerischen Reservoir dieser Musikhochschule ergänzt. „Wir kennen kein Nachwuchsproblem. Wir sind ohnehin ein recht junger Chor. Und wir bekommen auch immer wieder gute Nachfolger für Aussteiger. Nach dem Studium zieht es eben doch immer wieder das eine oder andere Chormitglied beruflich in eine andere Region. Außerdem: Wir singen ein bestimmtes, klar umrissenes Repertoire, das nur von wenigen Chören gepflegt wird, nämlich einerseits Bach und andererseits die Chormusik des 20. und 21. Jahrhunderts mit einem Schwerpunkt auf skandinavischer Musik.“

Vier unterschiedliche Chorsängerbiografien und doch gab es viel Gemeinsames: Nicht nur das miteinander Musizieren ist Motivation, sondern auch die in einem länger bestehenden Chor entstehende soziale Gemeinschaft ist allen wichtig.

Wirkliche Probleme für die Zukunft von Chören sah an diesem Abend niemand, höchstens gab es Bedenken hinsichtlich des Erhalts kirchenmusikalischer Traditionen.

Von Reinald Hanke