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Celle Stadt Sitzenbleiber-Studie: Celler Schüler im Mittelfeld
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Sitzenbleiber-Studie: Celler Schüler im Mittelfeld
10:55 04.10.2016
Von Gunther Meinrenken
Das Studienteam des Verbraucherportals "billiger.de" untersuchte in 122 Städten die Sitzenbleiberquote an deutschen Schulen. Platz 1 bedeutet dabei den höchsten Anteil an Schülern, die eine Ehrenrunde drehen. Die Celler Schüler befinden sich zum großen Teil im Mittelfeld.
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An der Spitze der Erhebung liegen vor allem Städte aus Bayern. Hier hat "billiger.de" auch als einziges Bundesland einen Zusammenhang zwischen Armut und Sitzenbleiber-Quote nachweisen können. Allerdings nur für die Hauptschulen. Das größte Risiko sitzenzubleiben haben Realschüler. Im Durchschnitt werden 49 von 1000 Schülern an dieser Schulform nicht versetzt. Zum Vergleich: Der Studienschnitt über alle Schulformen hinweg liegt bei 20 Nichtversetzten je 1000 Schüler. Celle gilt hier mit einer Quote von 2,9 Prozent schon als "Streber-Stadt".

Über den Sinn oder Unsinn der "Ehrenrunde" wird seit Jahren diskutiert. Die Bundesländer Hamburg und Berlin haben das Sitzenbleiben abgeschafft. Auf der Basis von Daten der OECD hat "billiger.de" errechnet, das allein die Sitzenbleiber aus ihrer Studie den Steuerzahler 1,8 Milliarden Euro kosten.

Das Thema "Ehrenrunde" wird kontrovers debattiert. Gegner zweifeln den Sinn dieser "pädagogischen Maßnahme" an, Befürworter werfen dem Gegenlager vor, "Kuschel-Pädagogik" zu betreiben. Der Schock für die Schüler käme spätestens, wenn sie nach der Schule "mit dem richtigen Leben" konfrontiert würden.

Detlev Soetbeer, Leiter der Hehlentor-Grundschule, hält wenig davon, Schüler eine Klasse wiederholen zu lassen. Seine Argumente: "Ein Schüler hat in der Regel nicht in allen Fächern Ausfälle. Bleibt er sitzen, muss er aber alles wiederholen. Das kann auch zu einer Unterforderung führen. Außerdem werden Sitzenbleiber aus ihrem sozialen Schulumfeld herausgerissen. Das ist nicht förderlich." Es gebe einschlägige Untersuchungen, die belegten, dass Sitzenbleiben nur in den wenigsten Fällen den gewünschten Erfolg erzielt hätte.

"An unserer Schule gibt es keine Sitzenbleiber mehr", so Soetbeer. Sein Konzept heißt Jahrgangsübergreifendes Lernen. Dabei bestehen die Klassen teilweise aus Schülern der Jahrgänge eins bis vier. Der Vorteil in Soetbeers Augen: "Die Kinder können so lange in ihren Bezügen bleiben, bis sie so weit sind, den Wechsel zu vollziehen. Wer es nötig hat, bekommt mehr Zeit, sich den Lernstoff anzueignen."

Ulf Krüger, Leiter der Oberschule Westercelle, gibt zu bedenken, dass es etwa bei Langzeiterkrankten oder Schülern mit Entwicklungsdefiziten Sinn mache, das Schuljahr zu wiederholen, "um den Anschluss wieder herzustellen". "Wenn jemand unmotiviert ist, bringt das allerdings auch nichts", stellt Krüger fest.

"Wir betrachten bei der Versetzung nicht nur die Noten", betont Krüger. Die Schule habe auch "pädagogischen Handlungsspielraum. Die Fälle würden "intensiv besprochen", auch bereits im Vorfeld.