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Celle Stadt Skulpturen irritieren in Material / Lindenholz verstrickt in Hanfseile
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Skulpturen irritieren in Material / Lindenholz verstrickt in Hanfseile
19:58 14.11.2010
Eröffnung der Jahresausstellung des BBK Celle Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Von Aneka Schult

CELLE. Individuelle Handschriften sind gesichert, thematische Vorlieben werden neu durchexerziert. So sieht der Besucher die minimalistisch um das Pferd in Bewegung kreisenden Tuschen von Hildegard Mahn. Mit lockerem Pinselschwung knöpft sich Inga Leder einen „Vorratsraum“, „Gläser und Flaschen“ sowie ein „Kelleridyll“ vor. Das Belebende hebt sich farblich ab von milchigem Grau. Mit Acryl auf grafisch-faltigem Papier belebt Susanne Hoffmann „Orakelbaum“ und „Drachenwald“. Ästhetisch verspielt zeigen sich die Puppen-Gebilde von Friederike Witt-Schiedung, „Reiner Tor“, „Bäuerin“, „Weißhaariger Eskimo“ und „Breitohrclown“. Auch ihr „Abt“ entwächst einer mehrstofflichen Gewandung. In zarten, kleingliedrigen Aquarellen reist man mit Michelle Döring-Hochet entlang französischer Gewässer, mit Georg Wilhelm Schulze durch Tunesien, durchs „Römische Afrika“. Collageartig vermählt sich in letzterem Ölbild die Exotik, „Markt“ durchweht eine skripturale Märchenhaftigkeit.

Karin Hess lotet monotone Farbspiele und Brüche aus. Ilse Hillers Arbeiten locken durch kraftvolle Farbsetzer und gestische Mal-Akte an. Günter Thomaschek bricht wieder seine ganz eigene Bildmystik auf, während Heinz Nerlich die grafische Geste rhythmisiert. Ingried Ch. Meyers Steinreliefs sowie Edel und Dietrich Klatts kopflosen wie steinernen Porträts zeigt auch die Galerie am Kleinen Plan.

Skulpturales stellen Brigitte Merbach-Gerl, Jens Hemme und der Vorsitzende des BBK, Lutz Wiedemann, aus. Ihre Arbeiten, die sich im Erdig-Archaischen bewegen (Hemme), in meditativ-philosophischen Räumen oder Zen-Impulse transformieren (Merbach-Gerl), regen Querschaltungen an. Der Bildhauer und Objektkünstler Wiedemann ringt um Konzeptionen, die ihre Dynamik aus dem Einsatz traditioneller Gestaltungsprinzipien und dem sichtbaren Bruch mit ihnen gewinnen. Der Moment der Irritation und des Widerspruchs soll Anreiz bieten, in neue Assoziationsräume zu folgen.

Die Skulptur „Bündnis“, ein Bündel Lindenholz, verstrickt in Hanfseile wie in unzählige Abhängigkeiten, verknüpft Materialien, die wie auch in der „Gemeinschaft von Höhen“ Form reflektieren und das Berührenwollen stimulieren. Hemme schafft Urmotive aus Eisen und Beton, gegossen ins Erdloch und darin geformt. Überfahrt, Dialog, Erdhäuser, Raum und immer die Menschlein, die dazugehören. Bei Merbach-Gerl steht die japanische Tee-Zeremonie im Zentrum eigener Transformationen. Um die Verluste weiß sie und hat ihre Arbeiten „Lost in Translation“ genannt. Bei allen drei Positionen stehen die ästhetischen Prinzipien Horizontal und Vertikal stets mit im Raum, das Sondieren von körperlicher Basis und Geist.

In der Gotischen Halle, Schlossplatz 1, bis 23. Dezember, dienstags bis sonntags, 10 bis 13 und 13.30 bis 17 Uhr.

Von Aneka Schult