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Celle Stadt Smartphone-Problem in Celler Schwimmbäder
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Smartphone-Problem in Celler Schwimmbäder
17:47 16.06.2017
Sommer, Sonne, Schwimmbad: Dank des Smartphones ist es leicht, schöne Momente mit einem Schnappschuss festzuhalten. In Freibädern ist dies jedoch ein sensibles Thema, schließlich sind die Badegäste meist spärlich bekleidet. Auch Celler Bäder suchen nach dem richtigen Umgang. Quelle: Marius Becker
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„An unserer Haus- und Badeordnung hat sich nichts geändert“, sagt Matthias Gaupp, Leiter des Celler Badelands. „Dort steht seit einigen Jahren drin, dass Fotografieren verboten ist.“ Die Mitarbeiter setzen diese Regel laut Gaupp auch durch: „Wenn das Personal sieht, dass jemand fotografiert oder filmt, wird derjenige gebeten, dies zu unterlassen.“ Allerdings geschehe das nicht exzessiv, denn: „Eine komplette Verhinderung ist bei rund 2000 Badegästen an einem heißen Sommertag gar nicht machbar.“ Taschenkontrollen gebe es nicht, das Smartphone kann weiterhin mit ins Schwimmbad gebracht werden. „Es geht ums Fotografieren, nicht ums Smartphone“, stellt Gaupp klar.

In einigen Situationen werde das Fotografieren aber zumindest geduldet, sagt der Betriebsleiter. „Wenn der Enkel das erste Mal vom Drei-Meter-Brett springt und Opa zückt das Smartphone, dann begleitet unser Personal das und achtet darauf, dass keine anderen Badegäste auf dem Bild auftauchen. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt.“ Das Badeland baut auf sein aufmerksames Personal. „Wir kommen mit der Situation sehr gut zurecht“, zieht Gaupp Bilanz.

Im Waldbad Hohne-Spechtshorn ist man den Besuchern und ihrem Nutzungsverhalten diese Saison sogar entgegengekommen und hat kostenloses W-Lan durch Freifunk eingerichtet. „Gerade junge Besucher nutzen das gerne“, weiß Erhard Thölke, Vorsitzender des Waldbad-Fördervereins.

Thölke habe sich für die W-Lan-Einrichtung eingesetzt, auch wenn er sich der Gefahr des unerlaubten Fotografierens und Filmens bewusst ist. „Es ist ein Gebot der Zeit, uns nicht zu verschließen“, sagt er. „Hier stehen zwei Interessen gegeneinander: Smartphone-Nutzung und Missbrauch.“ Nur weil einige das Angebot missbrauchen könnten, könne man es nicht allen verwehren. „Bisher hatten wir kein Problem. Sollte ein Missbrauchsfall vorliegen, dann werden wir natürlich reagieren“, stellt Thölke klar.

Den juristischen Hintergrund für die Diskussion liefern das allgemeine Persönlichkeitsrecht und das Kunsturhebergesetz. Danach ist zwar nicht das Fotografieren im öffentlichen Raum an sich verboten, allerdings die Verbreitung und Veröffentlichung ohne Zustimmung der abgebildeten Personen – zum Beispiel in sozialen Netzwerken. Das Schwimmbad ist wegen der dort üblichen spärlichen Bekleidung der Gäste ein besonders sensibler Ort. Wenn der höchstpersönliche Lebensbereich durch Bildaufnahmen verletzt wird, kann auch das Strafgesetzbuch greifen.

Im Waldschwimmbad Herrenbrücke in Faßberg weisen Schilder darauf hin, dass nicht fotografiert werden soll. Auch in der Badeordnung steht das Verbot. „Die Bademeister sind angehalten, einzuschreiten“, sagt Mitarbeiter Michael Wreski. Das müssten sie jedoch selten. Auch im Winser Schwimmbad stellen die Smartphones kein Problem dar. „Seine Freunde kann man fotografieren, aber keine Fremden“, bringt es Wolfgang Hoffmann, Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Allertal, auf den Punkt.

Von Amelie Thiemann