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Celle Stadt SoVD Celle: Armut gemeinsam bekämpfen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt SoVD Celle: Armut gemeinsam bekämpfen
18:41 20.10.2016
Immer mehr Menschen droht im Alter Armut und der Grundsicherungsbedarf steigt. "Altersarmut ist immer noch ein Tabuthema", sagt der SoVD. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand
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Fast jeder sechste Einwohner (15,9 Prozent) gilt nach aktuellen Zahlen des Landesamtes für Statistik als armutsgefährdet. Das ist ein halber Prozentpunkt mehr als noch im Jahr 2014. „Die Zahlen sprechen für sich", so Sozialministerin Cornelia Rundt. „Es muss noch viel getan werden in Bund, Land und Kommunen. Wenn wir hier nicht gemeinsam massiv gegensteuern, werden sich die Probleme von heute Morgen verschärfen. Das wird sich nicht nur auf den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft auswirken, sondern auch auf unseren Wirtschaftsstandort und die Qualität unserer Bildung."

Von einem konkreten Beispiel aus ihrem Alltag als Sozialberaterin berichtet Sabine Kellner vom SoVD Celle: Nach 37 Arbeitsjahren und zwei Kindern bekommt eine 63-jährige Cellerin eine vorzeitige Altersrente in Höhe von 577 Euro netto. "Dabei hat sie immer Vollzeit gearbeitet und zeitweise noch einen Mini-Job gehabt, um sich über Wasser zu halten", erzählt Kellner. Da in diesem Fall die zweijährige Ausbildungszeit nicht anerkannt wurde, konnte die Betroffene mit ihren Hilfstätigkeiten in der Hauswirtschaft ihr Arbeitsleben lang nur wenig Geld verdienen.

"Ein Anspruch auf Witwenrente besteht aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht. Da diese Frau von der Rente nicht leben kann, hat der SoVD ihr empfohlen, die Grundsicherung im Alter zu beantragen, weil Bedürftigkeit vorliegt", so Kellner. Der voraussichtliche Anspruch von 260 Euro helfe etwas weiter. Außerdem könne sie nun von der Rundfunkgebührenpflicht befreit werden. "839 Euro im Monat bleiben dann zum Leben und davon müssen Miete und Heizung bezahlt werden."

Doch jetzt habe das Amt der Betroffenen gesagt, dass die Heizkosten für die 50 Quadratmeter großen Wohnungen zu hoch seien und sie sich überlegen müsse, ob sie nicht besser umziehen sollte, sagt Kellner. "Das ist ein große Belastung für die Frau. Eigentlich hat sie sich vorgestellt nach einem harten Leben die Rente genießen und am gesellschaftlichen Leben ab und zu teilhaben zu können." Café-Besuche seien kaum möglich. "Wir reden von Einsamkeit im Alter und drohender Altersarmut. Überall in der Gesellschaft liegt diese schon vor", warnt Kellner.

Immer mehr Menschen droht im Alter Armut und der Grundsicherungsbedarf steigt. Überwiegend betroffen sind: Frauen, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderung, Selbstständige sowie Hartz-IV-Empfänger. "Armut beginnt oft schon im Bildungsalter. Daher sagen wir ,Jung und Alt gegen Altersarmut'. Nur gemeinsam können wir sie bekämpfen." Aus ihrer Beratungstätigkeit weiß Keller, dass Altersarmut immer noch ein Tabuthema ist: "Wir als SoVD sagen, dass das nicht sein kann, und machen daher seit Jahren darauf aufmerksam."

Von Dagny Rößler