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Celle Stadt Soll Schülerin aus Celle mit dem Kopftuch in die Grundschule gehen?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Soll Schülerin aus Celle mit dem Kopftuch in die Grundschule gehen?
17:48 03.03.2017
„Entweder ich akzeptiere, dass ich meine Tochter alle paar Wochen entlausen muss,ich schere ihr den Kopf oder ich bringe sie dazu ein Kopftuch zu tragen“, schreibt einbesorgter Vater, dessen Tochter die Grundschule Wietzenbruch besucht. Quelle: Alex Sorokin
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Bei der CZ hat sich ein Vater gemeldet, der keineswegs Muslim ist, aber erwägt, das schöne Haar der Tochter zu verhüllen. Alles nur, damit ihr die Läuse der Mitschüler nicht mehr auf den Kopf krabbeln können.

„Seit Weihnachten kommt sie nun zum dritten Mal mit Kopfläusen nach Hause“, schreibt der Vater. „Jedes Mal läuft bei uns das volle Programm ab: Läusemittel, Sachen waschen, Nachanwendung des Mittels nach einer Woche, regelmäßige Nachkontrolle.“ Sogar die Kuscheltiere müssten jedes Mal in die Waschmaschine, erzählt er: „Sie ist die einzige Betroffene aus unserem Haushalt, trotzdem kontrollieren wir immer alle.“

Wenn er sich mit anderen Eltern unterhalte, sei denen das Problem bekannt, denn auch deren Kinder seien, sagt der Vater. „Die Schule ist hilflos, bereits zweimal wurde Informationsmaterial verteilt“, sagt er. „Ich habe jetzt also die Wahl zwischen drei Übeln. Entweder ich akzeptiere, dass ich meine Tochter alle paar Wochen entlausen muss, ich schere ihr den Kopf oder ich bringe sie dazu, ein Kopftuch zu tragen.“

Laut Gesetz sollen die Eltern des Kindes der Schule den „Kopflausbefall“ unverzüglich mitteilen. Die Schulleitung wiederum muss direkt das Gesundheitsamt benachrichtigen. „Verlauste“ Schüler dürfen die Klassenräume so lange nicht betreten, bis nach dem ärztlichen Urteil die Ausbreitung der flügellosen Insekten nicht mehr zu befürchten ist.

Das Gesundheitsamt führe jedoch keine Statistik darüber, wie häufig die einzelnen Gemeinschaftseinrichtungen betroffen seien, erläutert Landkreis-Sprecher Holger Harms: „Grundschulen sind wie Kindergärten häufiger mit Kopflausbefall konfrontiert, da die Kinder in dem Alter die Köpfe zusammenstecken – der typische Übertragungsweg für Kopfläuse.“ Besonders häufig betroffen sei die Grundschule Wietzenbruch nicht.

„Wichtig ist, dass die Behandlung sachgerecht und konsequent durchgeführt wird“, erläutert Harms. Aber auch diese laufe ins Leere, wenn die Eltern der Schule nicht Bescheid sagten. Wer verschweigt, dass das eigene Kind Läuse hat, riskiert eine Ordnungswidrigkeit, die mit Bußgeld geahndet werden kann. „Der Verwaltungsaufwand – schon allein der Ermittlungsaufwand – hierfür wäre aber so hoch, dass das Gesundheitsamt auf Information, Aufklärung und Kontrollen auf freiwilliger Basis setzt“, sagt Harms. So hat die Grundschule Wietzenbruch Broschüren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verteilt und das Gesundheitsamt zu einem Elterninformationsabend am Donnerstag, 16. März, zum Thema „Kopflausbefall“ eingeladen.

„Sofern es sich an diesem Elternabend ergibt, kann auch eine kostenfreie ‚Kopfkontrolle‘ auf freiwilliger Basis erfolgen“, bietet Harms an. Doch selbst diese Maßnahme könne nicht auf Dauer verhindern, dass es immer wieder zum „Einschleppen“ von Kopfläusen in Gemeinschaftseinrichtungen komme. „Insbesondere, wenn manche Erziehungsberechtigten nicht mitwirken“, betont Harms.

Von der Idee des Vaters, seine Tochter mit Kopftuch in die Grundschule zu schicken, halte das Gesundheitsamt nicht viel, so Harms. Denn gelegentlich sei die Übertragung auch indirekt möglich über Kämme oder Spangen, die gemeinsam benutzt werden. Dazu könnten auch Kopfbedeckungen zählen. „Ein Kopftuch müsste also schon konsequent getragen werden, um einen gewissen Schutz vor der Übertragung zu bieten“, so Harms.

Von Dagny Rößler