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Celle Stadt Sommer nimmt im Celler Land Fahrt auf
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Sommer nimmt im Celler Land Fahrt auf
17:41 03.07.2014
Obwohl das Gras auf dem Nienhorster Spielplatz kniehoch wächst, spielen diese Kinder dort vergnügt auf den Wippschaukeln. Quelle: Lothar H. Bluhm
Celle Stadt

Nach langer Pause schaltet der Sommer endlich den Turbo ein. Zwischen einem sich über dem Ostatlantik eingrabenden Tief und dem nach Polen wandernden Ableger des Azorenhochs wird subtropische Heißluft aus dem Mittelmeerraum nach Norddeutschland gepumpt, die uns am Freitag satte 30 Grad bringt. Am Wochenende ist der Sommer schon wieder auf dem Rückzug. Auf schwülwarme 25 bis 28 Grad bringt er es in der Südheide aber immer noch. Nach einem noch trockenen Samstagvormittag kann es durch eine Gewitterfront aus Südwesten schon am Nachmittag sowie am Sonntag brenzlig werden.

Ob damit die Hitzewallungen des Sommers schon wieder vorbei sind, ist immer noch fraglich. Entgegen den ursprünglichen Erwartungen kann sich am Nordrand eines Tiefs über Süddeutschland, das später nach Nordosten zieht, die Hochsommerluft nordöstlich der Elbe länger halten. Dabei könnte sich im Bereich einer scharfen Luftmassegrenze zwischen Aller und Elbe ab Dienstag ein enormes Unwetterpotenzial aufbauen.

Unsicherheit ins System bringt unter anderem der erste atlantische Wirbelsturm der Saison „Arthur“. Er soll am Montag das Seegebiet zwischen Neufundland und Südgrönland erreichen. Von dessen weiteren Verhalten hängt es unter anderem ab, wie es bei uns in der kommenden Woche tatsächlich weitergeht.

Im Sinne der Siebenschläferregel würde sich durch einen möglichen längeren Ringkampf von heißer und kühler Luft über Norddeutschland bezüglich der Hochsommerwitterung nichts ändern. Zumindest für den Juli scheinen die Weichen in Richtung Achterbahnsommer mit einem häufigeren Wechseln aus feuchtkühlen und feuchtwarmen Witterungsphasen und zahlreichen Gewittern gestellt zu sein.

Der Juni präsentierte sich zwischen Aller und Elbe insgesamt unauffällig. Gemessen am Klimamittel (1981 bis 2010) war der erste meteorologische Sommermonat normal durchschnittlich warm und fast normal sonnig. Lediglich die Niederschläge tanzten etwas aus der Reihe. Nach dem trockenen Frühjahr gab es besonders im Südkreis auch im Juni leichte Defizite, jedoch nach Norden zu – wie in Faßberg (97 Liter pro Quadratmeter bedeuten 141 Prozent) – durch heftige Schauer und Gewitter lokal auch erheblich Überschüsse. Auffällig war die Zweiteilung des Monats in eine teils schon hochsommerlich warme erste und eine sehr wechselhafte und feuchtkühle zweite Hälfte.

Für die Jahreszeit ungewöhnlich heiße Luft aus Nordafrika ließ die Temperaturen vom 7. bis 10. Juni über das verlängerte Pfingstwochenende enorm in die Höhe schnellen. Hitzerekorde wie in Süddeutschland blieben allerdings aus. Grund war die über Norddeutschland labil geschichtete Atmosphäre, die durch rasche Wolkenbildung mit teils heftigen Schauern und Gewittern neue Temperaturrekorde verhinderte. Trotzdem erlebte unsere Region das zweitwärmste Pfingstfest jemals. Mit Abstand heißester Tag war diesmal der Pfingstsonntag mit bis zu 32 Grad. Noch mehr Schweiß floss nur zu Pfingsten 1979 (3 und 4 Juni), als das Thermometer von Pfingstsonnabend bis Pfingstmontag um die 30 Grad-Marke pendelte. Großes Glück hatte unsere Region am unerträglich schwülen Pfingstdienstag, als ein stabilisierendes Höhenhoch die Zündung der extrem hohen Energie in der Atmosphäre verhinderte.

In der zweiten Junihälfte weitete sich ein riesiger Kaltluftsack aus der Arktis zunächst nach Skandinavien und später auch nach Mitteleuropa aus. Dabei gab es zeitweise strammen Nordwestwind und zahlreiche teils sogar gewittrige Schauer. Weil die Luft über das schon relativ warme Nordseewasser zu uns strömte, war die bis zum Monatsende andauernde Periode der so genannten Schafskälte milder als üblich.

Von Reinhard Zakrzewski